STORY

„Ich bin unvermeidbar.“

Mit Hilfe der sechs Infinity-Steine hat Thanos ein neues, dunkles Zeitalter eingeläutet. Fünfzig Prozent allen Lebens wurden mit nur einem Fingerschnippen ausgelöscht. Zurück bleibt eine Welt, die vor der Herausforderung steht, sich neu zu entwickeln. Während die einen noch in Schockstarre versetzt sind, sehen andere die Chance, eine bessere Welt zu erschaffen.

Storyline | Timeline

INPLAY

Im Mai 2018 vollzog Thanos den Blip, zerstörte kurz darauf die Inifinity-Steine, um sein Werk zu besiegeln. Die Regierung und relevante Konzerne arbeiten Hand in Hand, um die allgemeine Lage zu stabilisieren. Die Bevölkerung wird aufgefordert in die Großstädte zu ziehen, da nur dort eine einigermaßen konstante Energieversorgung gewährleistet werden kann.

Inplay: August / September 2018

Wetter in New York: 20°C - 29°C

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... dieses postapokalyptischen Marvel-Zeitalters und entscheide, welche Rolle du in dieser Geschichte spielen wirst.

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Verfasste Forenbeiträge

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  • #1353

    Rica
    Administrator

    Natasha schwieg für einen langen Moment, während das stete Trommeln des Regens auf dem Metalldach die einzige Geräuschkulisse bildete. Marrows Worte klangen in ihr nach, besonders die Nuancen in der Beschreibung ihres Konflikts mit Tony.

    „Du klingst irgendwie so, als würdest du das anders sehen als Stark“, stellte sie schließlich fest. Die Wortwahl der Mutantin war verräterisch gewesen; dass Tony nur fände, sie hätte ihn hintergangen, implizierte eine ganz andere Sichtweise auf die Ereignisse. Natashas Instinkte als Spionin waren sofort hellwach. In einer Welt, die ohnehin in Trümmern lag, waren verhärtete Fronten zwischen potenziellen Verbündeten das Letzte, was sie gebrauchen konnten. Sie spürte den Drang, tiefer zu graben, die Fakten dieses Zerwürfnisses zu sezieren, doch sie hielt sich zurück. Marrow war keine Zielperson in einem Verhörraum, sie war eine Freundin, die gerade ihr Leben riskierte, um sie zu warnen. Dennoch verankerte Natasha diesen Gedanken fest in ihrem Hinterkopf – vielleicht gab es einen Weg, zu vermitteln, ein gutes Wort für die Morlocks einzulegen, sobald sich der Staub in der Facility gelegt hatte. Wenn Tony sich in seiner Sturheit verrannt hatte, brauchte er jemanden, der ihn sanft – oder unsanft – korrigierte.

    „Ich will dich und die anderen wirklich in kein Fadenkreuz schieben“, griff sie Marrows Angebot der Hilfe wieder auf, und ihre Stimme klang nun noch entschlossener. Die Vorstellung, dass die Morlocks, die ohnehin schon am Rande der Existenz ums Überleben kämpften, nun auch noch den Zorn eines Sabretooth auf sich ziehen könnten, war unerträglich. „Und verstecken ist ohnehin nicht meine Art“, fügte sie mit einem trockenen, fast grimmigen Lächeln hinzu. Nat war nie dafür bekannt gewesen, in den Schatten zu warten, bis das Unheil an ihre Tür klopfte. Wenn sie eine Spur fände, eine Schwachstelle, würde sie lieber selbst den ersten Schlag führen.

    Doch die Realität war ernüchternd. Alleine gegen ein unsterbliches Raubtier und eine Telepathin der Weltklasse? Das war kein Mut, das war Selbstmord. „Ich werde mich die nächsten Tage einfach grundsätzlich vielleicht nur nicht ganz alleine rumtreiben“, gestand sie langsam, während sie die Konsequenzen dieser Entscheidung abwog. Es widerstrebte ihr, sich auf andere zu verlassen, besonders jetzt, wo das Vertrauen innerhalb der Avengers so brüchig war. Aber der Überlebensinstinkt siegte. „Die Facility ist davon abgesehen sicher. Und dort wäre ich auch nicht allein. Aber die nächsten Tage gibt es hier in der Stadt noch einiges zu klären und nach dem, was heute passiert ist, sollte ich vielleicht nicht noch weiter einfach nur rumsitzen und abwarten, ob das Wetter besser wird.“

    Sie sah Marrow direkt an. „Danke, dass du das Risiko eingegangen bist. Ich werde vorsichtig sein. Aber versprich mir, dass du abtauchst, wenn es brenzlig wird. Ich will nicht, dass dein Name auf Sabretooths Liste landet, nur weil du versucht hast, meinen dort zu streichen.“

    #1352

    Rica
    Administrator

    Die Kälte in ihren Lungen war zu real, um eine bloße Einbildung zu sein. Und doch arbeitete Natashas Verstand und suchte nach einer Art Logik in dem, was sich vor ihren Augen abbildete. Stalin. Ivan. Taras. Alles Männer, die längst ihrem Schicksal erlegen waren und nun standen sie hier so lebendig vor ihr als wären sie nie gegangen. Es war eine Art Paradoxon aus Schmerz und reiner Unmöglichkeit. Sie erkannte sich selbst dort im Schnee. Zumindest eine Version ihrer selbst, die sie tief in ihrem Inneren vergraben hatte. Das hier zu sehen, fühlte sich an als würde man alte Wunden einfach wieder aufreißen. Ein innerer Impuls wollte sie dazu bringen einfach wegzulaufen, doch ihre Glieder waren zu schwer und noch immer war Nat gefesselt vom Anblick dieses Augenblicks. Dieser Moment, in dem die Menschlichkeit eines Kindes gegen den Status einer staatlichen Waffe getauscht wurde. Ein dunkles Echo ihres eigenen Untergangs.

    Doch dann schob sich Tonys Gestalt schon fast wie ein Fremdkörper in ihr Blickfeld. Sie konnte seine Stimme hören und auch seine Worte begreifen und trotzdem brauchte Natasha, um aus ihrer Starre zu erwachen. Nicht real. Sie wusste es. Und doch zitterten ihre Hände.

    Langsam, wie ein alter kaputter Film, begannen die Konturen Moskaus zu flimmern. Das triumphale Lachen Stalins wurde leiser, verzerrte sich und verstummte. Der beißende Wind legte sich und wich der abgestandenen Luft dieses unterirdischen Raumes. Der gefrorene Pfad unter ihren Füßen verwandelte sich zurück in Beton, auch wenn hier und da noch vereinzelte Schneeflocken in der Luft hingen, die sich weigerten zu schmelzen, so als hätte die Realität einen Riss bekommen, den sie nicht mehr ganz flicken konnte.

    Sie standen in einem Labor. Alte Konsolen und verstaubte Akten. Natasha atmete zittrig aus, ihr Atem bildete noch immer kleine Wolken in der kalten Laborluft, als wären sie noch immer im Moskau. Sie sah Tony an, ihre Augen noch immer weit, die Maske der unerschütterlichen Spionin gefährlich instabil. „Warum … hast du das auch gesehen?“, fragte sie dann langsam, während sie versuchte die Kontrolle zurückzuerlangen. „Dir ging es gerade eben nicht anders? Was hast du gesehen? Warum habe ich es nicht gesehen?“, sprudelte es aus ihr heraus in der Hoffnung sich selbst und ihre Gedanken sortieren zu können.

    #1345

    Rica
    Administrator

    Natasha brauchte einen Moment, um Marrows Worte einzuordnen. Die Bitte, Tony nicht zu erwähnen, passte nicht zu dem Bild der letzten Tage. Marrow war in der Facility gewesen, hatte mit Stark gesprochen, hatte sich davor mit Natasha zum Frühstücken in die Küche gesetzt, wobei Natasha nur ihren Kaffee vor sich stehen gelassen hatte und Marrow sich dem Essen zugewandt hatte. Nichts an diesem Morgen hatte nach Konflikt ausgesehen. Wobei Tony hätte es niemals zugegeben, selbst wenn es einen gegeben hätte.

    „Was meinst du damit?“, fragte sie schließlich. Wenn Marrow nicht darüber reden wollte, war das natürlich auch in Ordnung. Nur Stark würde aktuell auch nicht mit offenen Karten spielen, zumindest nicht ihr gegenüber. Was in den letzten Stunden passiert war, musste erst einmal sacken und dann könnten sie schauen, ob sie einen Weg fanden wie sie miteinander umgehen konnten.

    Marrows Angebot um Hilfe stand zwischen ihnen und Natasha wusste es sehr zu schätzen, vor allem, da es nicht einfach so leichtfertig ausgesprochen worden war. Trotzdem spürte die Russin, wie sich etwas in ihr zusammenzog. Es war Dankbarkeit, ja. Aber auch ein gewisser Widerstand. „Ich hoffe, dass ich das irgendwie allein hinkriege“, sagte sie dann leise. „Ich traue dir das durchaus zu, aber ich will nicht unbedingt, dass du deswegen mit ins Visier gerätst.“ Wenn das wirklich eine Art offene Jagd werden würde, würde sich Sabretooth über weitere Opfer nur um so mehr freuen. „Dass du mich überhaupt gewarnt hast, ist schon ein gewisses Risiko. Und das weiß ich sehr zu schätzen. Vor allem in der aktuellen Zeit.“ Es schien als würde es noch mehr als vor dem Blip bei vielen darum gehen, nur sich selbst nah zu sein und irgendwie zu überleben.

    #1342

    Rica
    Administrator

    Nebula verschränkte die Arme vor der Brust und musterte Stark mit unverhohlener Skepsis. Die Vorstellung eines simplen Warnsystems erschien ihr nach wie vor einfach naiv. „Ein rotes Licht und eine Sirene werden vielleicht fünf Minuten Vorsprung verschaffen, wenn überhaupt…“ Sie schüttelte leicht den Kopf, ihre Stimme blieb ruhig und sachlich. Terraner dachten scheinbar noch in Mauern und Grenzen, als wäre der Weltraum eine Landkarte mit klaren Linien, so wie sie sich für einen einzelnen Planeten anfertigen ließ. Isolation hatte noch nie eine Spezies gerettet. Sie hatte sie nur langsamer aussterben lassen oder zu leichten Zielen gemacht. Langfristig würde kein System verhindern können, dass die Erde kontaktiert wurde. Manche Besucher kämen mit Handel, manche mit Beobachtung, manche mit verborgenen Plänen. „Vielleicht solltet ihr anfangen euch auf einen echten intergalaktischen Austausch vorzubereiten“, fuhr Nebs dann fort. „Kontakte zu verlässlichen Völkern. Wissen über ihre Technologien, ihre Gesetze, ihre Schwächen. Diplomatie, Spionage, Allianzen. All das könnte euch helfen, euch weiter zu entwickeln“, schloss sie dann ihre Ausführung ab. Nebula hielt kurz inne, ihr Blick blieb hart auf ihn gerichtet. Die Erde war irgendwie auffällig geworden. Genau das zog Aufmerksamkeit an. Statt sich weiter zu vergraben, sollten sie lernen, sich wie eine ernstzunehmende Spezies zu verhalten. Oder sie machten weiter wie bisher. Dann wäre es nur eine Frage der Zeit, bis der Nächste käme und die Reste einsammelte, die Thanos übrig gelassen hatte.

    Nebula beobachtete, wie Tony mit beiden Händen auf die holografische Tischplatte schlug. Das Bild flackerte kurz auf. Sie blieb vollkommen ruhig stehen, die Arme locker an den Seiten, und wartete, bis er sich wieder gefangen hatte. Sein Ausbruch überraschte sie nicht. Sie kannte diese Art von Frustration nur zu gut. „Sich aufzuregen bringt dir gar nichts, Stark“, sagte sie mit ruhiger, sachlicher Stimme. „Ich kenne das. Hab es selbst oft genug durchgemacht. Es ändert nichts an den Fakten und es kostet nur Energie, die du besser woanders einsetzen solltest.“
    Sie trat einen halben Schritt näher, den Blick fest auf ihn gerichtet. Die Vorstellung, die verstreuten Moleküle der zerstörten Steine einfach neutralisieren zu können, erschien ihr weiterhin unrealistisch. Sie hatte gesehen, welche gewaltige Kraft Thanos aufwenden musste, um die Steine zu zerbrechen. Die Energie, die dabei freigesetzt worden war, hatte den gesamten Raum erschüttert. Ein solches Echo ließ sich nicht einfach mit terranischer Technik wegwischen.

    Nebula zog kurz scharf Luft ein, bevor sie mit einer gewissen Skepsis weiter sprach. „Wir reden ja hier nicht von gewöhnlichen Elementen. Das sind Überreste von etwas, das die Grundregeln der Existenz selbst beeinfluss hat. Ich weiß nicht, wie du da die Zusammensetzung herausfinden willst und dann noch dazu die nötige Energie aufbringen kannst, um dein Vorhaben umzusetzen“, sprach sie dann ihre Gedanken aus. „Ich meine … bei einer kleinen Fehlkalkulation könntest du vielleicht die restliche Hälfte des Universum auch noch verschwinden lassen.“ Man hörte eine leichte Veränderung in ihrer Stimme, während sie beim Sprechen über ihre Worte nachdachte. „Ja ok. Ich bin dabei“, sagte sie dann nach einer dramatischen Pause. „Sag mir, was ich tun soll.“

    #1336

    Rica
    Administrator

    Natasha betrachtete Steve für einen langen Moment. Das schwache Lächeln auf seinem Gesicht wirkte fast schon schmerzhaft heroisch. Sie bewunderte seinen ungebrochenen Optimismus, doch gleichzeitig fühlte sie sich davon meilenweit entfernt. Während er den „wichtigen ersten Schritt“ sah, spürte sie davon im Augenblick noch zu wenig. „Du hast recht“, antwortete sie leise, wobei sie sich zwang, ihren Tonfall weicher zu gestalten. Sie wollte ihm nicht auch noch die Hoffnung nehmen, die er so mühsam aufrechtzuerhalten versuchte. „Einen Schritt nach dem anderen. Vielleicht sollte ich mir das mal auf den Arm schreiben, damit ich es nicht so schnell vergesse.“ Sie schenkte ihm ein kurzes, müdes Nicken.

    Es war wie ein stilles Einverständnis der Beiden, dass die Runde wohl damit vorbei wäre und sie sich selbst ordnen mussten. Wobei auch Steve so aussah als hätte er ein wenig Ruhe nötig, allerdings war fraglich, ob er sich diese auch gönnen würde. Als sie den schwach beleuchteten Flur in Richtung ihres Quartiers entlangging, fühlte sie sich, als würde etwas von ihr abfallen, das über den Tag hinweg immer schwerer geworden war. Gerade als sie ihre Zimmertür erreichte, vibrierte das Handy in ihrer Tasche. Es war ein kurzes, aggressives Summen, das in der Stille des Korridors fast wie ein Alarm wirkte. Natasha blieb stehen. Nur eine Handvoll Menschen besaß diese Nummer, und noch weniger nutzten sie für Belanglosigkeiten. Mit einem unguten Gefühl im Magen fischte sie das Gerät heraus. Das bläuliche Licht des Displays schnitt in die Dunkelheit des Flurs. Marrow.

    #1335

    Rica
    Administrator

    Marrows Worte hingen schwer in der Luft. Ertränken. In Beton eingießen. Es klang nach dieser Art der brutalen Endgültigkeit, die sich sonst in den Akten verschiedener Organisationen finden ließen, wenn man nur lange genug danach suchte. Generell hatte Natasha auch eine geringe Hemmschwelle durch ihre ehemalige Arbeit, aber jemanden, der gefühlt nicht sterben konnte, einfach im Meer zu versenken, klang selbst für sie nach einer schrecklichen Folter. Und noch dazu lag die Tatsache in der Luft, dass ausgerechnet Marrow, die sonst selbst nach außen hin hart und kühl wirkte, mit einer solch brüchigen Stimme sprach als gäbe es wirklich keine großartigen Alternativen.

    Normalerweise war sie diejenige, die einen kühlen Kopf bewahrte, wenn die Welt um sie herum in Flammen aufging. Doch das hier war anders. Es war nicht die Angst vor dem eigenen Tod, denn diese Gedanken kannte sie seit ihrer Kindheit im Red Room, sondern die Erkenntnis ihrer aktuellen Verwundbarkeit und die des restlichen Teams. Die Avengers waren kein Schild mehr. Sie waren ein zerbrochenes Überbleibsel aus Individuen, die mehr mit ihren eigenen Dämonen kämpften als mit den Monstern da draußen.

    ‚Mechanische Strukturen zerstören.‘ Sie ging ihre eigene Ausrüstung im Geist durch. Gegen einen Feind, der einfach wieder zusammenwuchs, wirkte ihr ganzes Arsenal plötzlich wie Spielzeug. Aber wenn sie etwas konnte, dann war es in der Not zu improvisieren.

    Als Marrow die Idee erwähnte, Sabretooths Aufmerksamkeit auf ein anderes Ziel zu lenken, spürte Natasha einen harten, fast brennenden Widerstand in ihrer Brust. Sie hatte in ihrem Leben schon genug „andere Ziele“ geopfert. Sie hatte zugesehen, wie Menschen als Kollateralschaden hingerichtet wurden. ‚Nicht diesmal‘, dachte sie und presste die Lippen so fest zusammen, dass sie weiß anliefen. „Das mit dem Ablenken…“, begann sie, und ihre Stimme war nun wieder fest, auch wenn ihr Herzschlag etwas anderes erzählte. „Das ist keine Option, Marrow. Ich bin fertig damit, Leute in die Schusslinie zu rücken, nur um Zeit zu kaufen. Wenn er mich will, dann soll er kommen. Aber er wird feststellen, dass ich teurer bin, als das Kopfgeld wohl vermuten lässt.“ Denn einfach aufgeben würde sie nicht. Die letzten Wochen hatte sie schon genug Zeit einfach verstreichen lassen. Langsam musste auch wieder ihr Kampfgeist aktiver werden.

    „Ich werde die anderen informieren müssen“, murmelte sie, mehr zu sich selbst als zu Marrow.
    Sie fühlte sich plötzlich alt. Älter als die Jahrzehnte, die sie tatsächlich auf dem Buckel hatte. Der Regen kroch ihr nun doch unter die Jacke, eine klamme Kälte, die bis in die Knochen zog. Aber es war nicht nur das Wetter. Es war die Vorahnung, dass der Sturm, der auf sie zukam, nichts mit dem warmen Augustregen zu tun hatte, der friedlich auf das Dach der Waggons trommelte. „Wobei ich aktuell nicht einmal weiß, ob Tony mir zuhören wird“, gestand sie dann.

    #1326

    Rica
    Administrator

    Natasha begriff in diesem ersten, hektischen Moment nicht, was genau um sie herum geschah, als Tony sie mit einer plötzlichen, fast gewaltsamen Bewegung zu Boden riss. Er handelte instinktiv, als wolle er sie vor einer Gefahr schützen, die für ihre Augen vollkommen unsichtbar blieb. Doch anstatt sich ihrer aufkeimenden Verwirrung oder dem Adrenalin hinzugeben, konzentrierte sie sich sofort darauf, den Mann an ihrer Seite zurück in die Realität des Hier und Jetzt zu holen. Wer konnte schon sagen, welche Schatten in diesem Augenblick über ihn hereingebrochen waren?

    Mit ruhiger Stimme versuchte sie ihn zu erreichen, ihm beharrlich zu verdeutlichen, dass sich in der Leere dieses Raumes nichts befand. Es sei denn natürlich, es handelte sich um die unnachgiebigen Geister seiner eigenen Vergangenheit. Natasha war sich nur zu bewusst, welche Leichen in den tiefen Kellern der Stark-Anwesen noch vergraben sein mochten; sie wusste besser als die meisten, dass auch Howard Stark zeit seines Lebens alles andere als ein Heiliger gewesen war. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit schien die Starre in Tonys Blick zu weichen, und er begann langsam, den Weg zu ihr zurückzufinden.

    Dankbar griff Natasha nach seiner Hand, die er ihr schließlich hinhielt, um ihr beim Aufstehen behilflich zu sein. Erneut ließ sie ihren Blick prüfend durch den Raum schweifen, doch auch bei dieser genaueren Musterung konnte sie keinerlei Bedrohung ausmachen. Mit einer Mischung aus Wachsamkeit und Skepsis folgte sie Tonys zögerlichen Schritten in Richtung jener Wand, die er zuvor noch mit einer Intensität angestarrt hatte, als würde jeden Moment ein tödlicher Feind daraus hervortreten.

    Je langsamer und furchtsamer seine Bewegungen wurden, desto entschlossener hielt Natasha auf das Ziel zu. Sie trat direkt an das Mauerwerk heran und tastete die Oberfläche nach einer Unregelmäßigkeit ab – nach einem geheimen Mechanismus oder einem Hebel, der hier verborgen sein musste. Fast wie in einem jener klischeehaften Horrorfilme, die sie insgeheim verabscheute, fand sie mit erschreckender Sicherheit einen Auslöser. Nur wenige Augenblicke später schwang unweit von ihnen ein verborgener Durchgang auf und gab den Weg in die Dunkelheit frei. „Und genau so beginnen die schlechten Horrorfilme“, kommentierte die Russin mit einem trockenen Unterton, während sie zu Tony zurückblickte. Er schien noch immer wie festgewurzelt zu sein, unfähig oder unwillig, sein Tempo zu beschleunigen. Doch letztlich war es genau das, weshalb sie hergekommen waren: Sie mussten das Unbekannte aufdecken und herausfinden, ob dieser Ort tatsächlich das Potenzial besaß, ihre neue Basis zu werden.

    Ohne zu zögern trat Natasha also ins Dunkel und erwartete eine Treppe oder ähnliches, aber die Stille die gerade noch in der Luft gelegen hatte, starb mit dem nächsten Atemzug, als sie die Kälte des russischen Winters in ihren Lungen wahrnahm. Der Boden wich gefrorenem Schlamm und festgetretenem Schnee. Das hier war nicht mehr das Hier und Jetzt. Sie stand mitten im Jahr 1938. In einem Moskauer Park.

    Für jemanden, der ihre Geschichte nicht kennen kann, wirkt die Szene fast wie ein harmloses Familientreffen im Schatten kahler Bäume. Doch Natasha sieht die Wahrheit hinter der Maskerade. Vor ihr steht Ivan, der Mann, den sie einst wie einen Vater liebte, in seiner stolzen Militäruniform. Er hält die Hand eines kleinen Mädchens – Natalia. Die kleine Natasha trägt einen schweren und viel zu großen Mantel und blickt mit Augen in die Welt, die bereits zu viel gesehen haben, um noch kindlich zu sein.

    Sie beobachtet, wie Ivan das Kind an einen untersetzten, dunkel gekleideten Mann übergibt: Taras. Natasha spürt ein kaltes Brennen in ihrer Brust. Sie weiß, wer dieser Mann ist. Er ist der Auslöser ihres Schmerzes, der Mann, der sie für den „Red Room“ brechen wird.

    Dann schält sich eine dritte Gestalt aus dem Nebel. Ein Mann mit markantem Schnurrbart und einer Aura aus absoluter, rücksichtsloser Macht: Josef Stalin. Sein Lachen ist trocken und grausam, als er die „reine kommunistische Synthese“ anpreist. Er sieht in dem kleinen Mädchen keinen Menschen, sondern eine Waffe mit dem prestigeträchtigen Namen einer Zarendynastie, die nun dem Staat gehören soll.

    Natasha steht wie versteinert da. Die Zeit hatte sie vieles gelehrt, doch hier, im Angesicht ihres eigenen Untergangs, ist sie wieder das hilflose Kind. Sie sieht zu, wie ihr Schicksal mit einem Handschlag besiegelt wird, während der Diktator über die „Schule“ philosophiert, die aus Natalia die Black Widow machen wird, die sie heute ist. Es ist der Moment, in dem ihre Seele zum Staatseigentum erklärt wurde, und die Kälte dieses Augenblicks zieht tiefer in ihre Knochen als jeder Winter Moskaus.

    #1321

    Rica
    Administrator

    Natasha ließ den Blick durch die riesige, schattenbeherrschte Halle gleiten. Ihre Schritte hallten hohl auf dem nackten Beton, was ein Geräusch auslöste, das in der unnatürlichen Stille fast wie ein Eindringen wirkte. Genau genommen waren sie zwar eingedrungen, aber immerhin mit offiziellen Zugriffsdaten. Die Russin erinnerte sich noch gut an die damalige Zeit als die Organisation noch mehr als ein verblasstes Logo war, das sie nun von der Wand aus anstarrte. „Das hier ist eine Art der ‚toten Winkel‘ im System“, begann sie leise, bevor sie stehen blieb. „Offiziell existiert dieses Depot seit dem Fall des Triskelion nicht mehr. Es wurde aus den Registern gelöscht, noch bevor Hydra die Server komplett korrumpieren konnte. Fury hatte eine fast schon paranoide Vorliebe für analoge Rückzugsorte und Orte, die man nicht hacken kann, weil sie schlichtweg nicht am Netz hängen.“ Ihr Blick wanderte an den massigen Umrissen des Jets auf, der wie ein schlafendes Urzeitvieh im fahlen Licht der Notbeleuchtung stand. „Ich habe gehofft, dass niemand in den letzten Jahren über diese Koordinaten gestolpert ist.“ Natasha zuckte kurz mit den Schultern. „Ich meine … Starks neue Jets in der Facility sind kleine Wunderwerke der Technik, aber sie … sind auch kleine schlimme Petzen, was Daten betrifft.“ Sie würde wohl kaum mehr dazu sagen müssen. Sie hätte Barnes nicht einfach mit in die Facility nehmen können, wenn sie weiterhin wollte, dass Tony überhaupt noch ein Wort mit ihr wechselte. „Diese Kiste hier ist anders. Sie ist veraltet und ihre Software ist sozusagen ‚dumm‘. Keine Cloud-Anbindung und keine automatischen Berichte.“

    Und wie sich herausstellte, war der alte Jet noch durchaus sehr bereit für seinen nächsten Einsatz. Als die Beiden ihren Platz im Cockpit eingenommen hatten und die Triebwerke gestartet waren, konnte ihr kleiner Ausflug auch schon starten. Während sie sich langsam in die Luft hoben, konzentrierte sich Natasha tatsächlich auf den Start, da sie sich nicht sicher war, ob die alte Technik selbst auskorrigierte oder ob sie dagegenhalten müsste, bevor sie gleich einen Flügel an der Lukenöffnung verlieren würden. Als sie dann schließlich New York langsam hinter sich ließen, wandte sich Nat zu ihrer Begleitung. „Was meinst du?“, fragte sie schließlich in Bezug auf seine Aussage. „Spontane Kurztrips? Potenzielle Klone? Alte Lagerbestände? Der nächste Weltuntergang?“ Sie runzelte die Stirn. „Dachtest du, du gehst in Rente?“, fragte sie dann schon fast amüsiert.

    #1320

    Rica
    Administrator

    Natasha brauchte einen Moment, um ihre Gedanken wieder zu sortieren. Sie ließ sich schwerfällig auf die Lehne des Sofas sinken, während ihr Blick Tony hinterherglitt, bis er aus ihrem Sichtfeld verschwand. Sie schüttelte fassungslos den Kopf. Einerseits schien er schlicht nichts mehr zu sagen zu haben, andererseits tat er in diesem Moment genau das, was sie vor kaum fünf Minuten laut kritisiert hatte: Er suchte das Weite, sobald die Gesprächsatmosphäre unbequem wurde. Schließlich entwich ihr ein tiefer, erschöpfter Seufzer. Ihr Blick blieb nacheinander an Bruce und Steve hängen, bevor sie sich mit beiden Händen energisch durch das Gesicht fuhr – fast so, als könnte diese Geste irgendetwas an der verfahrenen Situation ändern oder den emotionalen Ballast einfach wegwischen.

    „Der Junge ist der einzige Überlebende dieser Sache. Falls er den anderen tatsächlich eine Falle gestellt hat und sie deshalb umgekommen sind, dann haben wir es hier mit einem eiskalten Mörder zu tun“, warf Natasha mit kühler Sachlichkeit ein, während sie sich wieder von der Sofalehne erhob. „In dem Fall ist er niemand, den wir mit Samthandschuhen anfassen sollten, nur weil er noch jung ist.“ Sie war sich selbst noch unschlüssig, wie sie weiter mit ihm verfahren sollten. Ihm eine Wohnung in der Stadt zu besorgen, schien eine Option zu sein – immerhin standen davon aktuell mehr als genug leer –, doch das löste das zugrunde liegende Problem nicht, dass sie einfach nichts handfestes über ihn wussten.

    „Wenn ich dieses ganze Gespräch hier also einmal nüchtern zusammenfasse, dann sehe ich vor uns nichts als einen unendlichen Berg an Arbeit“, stellte sie fest. Ihr Blick glitt dabei entschuldigend zu Steve hinüber. Als sie ursprünglich mit ihm darüber gesprochen hatte, dass sie sich gemeinsam mit Tony an einen Tisch setzen sollten, hatte sie sich den Ausgang wahrlich anders vorgestellt. Vor allem nagte an ihr das Bewusstsein, dass offenbar sie der Auslöser dafür gewesen war, dass das Ganze so unangenehm eskaliert war.

    #1319

    Rica
    Administrator

    Natasha kam nicht umhin, eine beachtliche Menge an Wahrheit in Marrows Worten zu finden und das völlig unabhängig davon, wie gut sie Sabretooth und seine Methoden kannte. Allein die Vorstellung, ein blutiges Zeichen gegen die Avengers zu setzen, würde für viele da draußen als Motivation bereits ausreichen. Das Kopfgeld war da nur noch das Sahnehäubchen auf einer ohnehin schon riesigen Torte. Die Avengers waren durch Thanos’ Tat, oder vielmehr durch das fatale Scheitern, den Blip zu verhindern, bei der Weltbevölkerung in Ungnade gefallen. Nat war die Letzte, die diesen kollektiven Groll nicht hätte nachfühlen können. Sie ausgerechnet jetzt auszulöschen, am absoluten Tiefpunkt ihrer gemeinsamen Laufbahn, wäre symbolisch verdammt effektiv und gleichzeitig erschreckend einfach. Aus diesem Grund blieben die Worte erst einmal aus, während sie versuchte, ihre düsteren Gedanken zu ordnen.

    Doch Marrow setzte direkt nach, und was die Russin nun zu hören bekam, war alles andere als aufbauend. „Es ist wenig tröstlich, dass sie sich uneinig sind, wenn mir Sabretooth im Zweifelsfall ganz allein am Arsch hängt und mich eigenhändig umlegen will“, stellte sie trocken fest. Natasha kannte ihre Fähigkeiten genau; sie war niemand, der leichtfertig in Angst verfiel oder vor einer Herausforderung zurückwich. Dennoch musste sie sich eingestehen, dass sich bei dieser speziellen Aussicht ihr Magen flau zusammenzog. „Immerhin haben wir den unschätzbaren Vorteil, dass wir wissen, was uns erwarten könnte.“ Das verschaffte ihr zumindest die Möglichkeit, sich vorzubereiten. Vielleicht – und dieser Gedanke missfiel ihr zutiefst – wäre es klüger, in nächster Zeit nicht wie eine wandelnde Zielscheibe im Alleingang durch die Straßen von New York zu streifen. Zu ihrem Glück war das in den letzten Tagen ohnehin selten vorgekommen. Allein die Anwesenheit von Steve würde das Kräfteverhältnis in ein deutlich besseres Gleichgewicht rücken. Sie konnte Sabretooth nicht einfach mit einer Kugel stoppen, und sollte er ihr zu nahekommen, hätte sie im direkten Nahkampf denkbar schlechte Karten.

    Zusätzlich bereitete ihr Stark Sorgen. Dass er sich womöglich mit Emma Frost auseinandersetzen musste, spielte den Avengers in seinem aktuellen, instabilen Zustand absolut nicht in die Karten. „Wenn wenigstens Bruce seine Probleme mit dem Hulk endlich im Griff hätte … aber nein. Aktuell präsentieren wir uns auf einem Silbertablett“, fügte sie bitter hinzu. Sie wusste, dass sie Stark warnen musste, doch der bloße Gedanke daran widerstrebte ihr. Momentan würde sie ihn lieber in die nächste hitzige Diskussion verwickeln, als ein vernünftiges Wort mit ihm zu wechseln. Wer wusste schon, ob er ihre Warnung überhaupt ernst nehmen oder sie einfach mit einem arroganten Spruch abtun würde?

    „Und … du ziehst jetzt nicht rein zufällig den perfekten Plan aus dem Ärmel?“, fragte Natasha mit einem Funken Hoffnung in der Stimme, der fast schon untypisch für sie war. „Oder verrätst mir wenigstens Sabretooths persönliches Kryptonit?“ Irgendetwas Handfestes, womit sie gegen dieses Monster arbeiten konnte, wäre jetzt mehr als willkommen gewesen.

    #1304

    Rica
    Administrator

    Nebula quittierte seine Bemerkung über den Optimismus mit einem fast unmerklichen Zucken ihrer Mundwinkel, weil es sie wirklich ein klein wenig amüsierte. Optimismus war in ihren Augen ein Luxus für jene, die noch nie zusehen mussten, wie ihre eigene Existenz von einem Wahnsinnigen neu verdrahtet wurde. „Ich bevorzuge die Realität. Sie enttäuscht einen seltener“, erwiderte sie trocken und zuckte dann mit den Schultern. Vielleicht hatte sie tatsächlich auch so etwas wie einen Hang zum dezenten Pessimismus. Aber auch nur, weil das Leben sie gelehrt hatte, dass es niemals gut war, sich zu früh über einen Sieg zu freuen, der noch nicht errungen war.

    Schließlich seufzte Nebula sehr tief. „Es ist faszinierend, dass du versucht hast eine Mauer um einen Planeten herum zu bauen, der vermutlich schon längst infiltriert ist“, stellte sie dann nüchtern fest und trat einen Schritt nach vorn. „Deine Logik, dass niemand mehr reinkommen könnte oder dass du einfach niemanden mehr reinlässt, ist fehlerhaft. Das ist schlicht unmöglich. Wahrscheinlich leben hier schon lange genug Wesen, die eben nicht vorn hier stammen. Versteckt. Oder als Verbündete. Oder auch als Schläfer.“ Es war eine schlichte Tatsache, dass es Rassen gab, die sich perfekt anpassen konnten. Gestaltwandler. Oder eben humanoide Arten. Selbst Rocket würde hier nicht auffallen, würde er seine große Klappe einfach halten.

    Nebula rührte sich nicht, während die holografischen Atome vor ihren Augen tanzten. Sie sah Tony an, als würde er versuchen, das Meer mit einem Löffel auszuschöpfen. Ihr Blick war kalt, fast schon mitleidig für die menschliche Arroganz, die in seinen Worten mitschwang.
    „Was soll das bringen?“, fragte sie kurz angebunden. Ihre Stimme schnitt durch seine theoretischen Ausführungen. „Ich war dabei, Stark. Ich habe gesehen, welche Macht Thanos aufwenden musste, um diese Steine zu kontrollieren – und ich habe gesehen, was es ihn gekostet hat, sie zu zerstören.“

    Nebula trat einen Schritt auf den Tisch zu und beobachtete die scheinbar funkelnden Atome, wie sie immer wieder vor ihren Augen zerflossen und sich neu zusammen setzten und fragte sich, ob es nun ihre Halluzination war oder tatsächlich das, was Stark ihr zeigen wollte. Schließlich riss sie sich aus ihrer Trance. „Die Energie, die nötig war, um das Gefüge dieser Steine zu zerreißen, hat einen Titanen fast umgebracht. Und du glaubst ernsthaft, du kannst diesen Prozess umkehren? Dass du ein paar alte Aufzeichnungen nimmst und die Fragmente wieder zusammensetzt?“, fing sie dann, während sie ihre Gedanken neu sortierte und versuchte Tony irgendwie bei dem zu folgen, was er da vor hatte.

    Sie schüttelte langsam den Kopf, ihre Züge blieben dabei steinhart. „Du wirst diese Energie niemals aufbringen können. Nicht mit deinen Maschinen und nicht mit deinem Verstand. Was Thanos getan hat, war endgültig. Selbst wenn du herausfindest, wann sie eingesetzt wurden… du hast nicht die Kraft, sie aus dem Nichts wieder zu manifestieren. Du spielst mit Kräften, die dich bei der kleinsten Berührung zu Asche verbrennen würden.“

    #1302

    Rica
    Administrator

    Natasha saß reglos da, während sie die Namen vernahm, die Marrow ihr nannte. Es war eine Liste, die selbst in den Akten von S.H.I.E.L.D. mit dicken roten Markierungen versehen gewesen wäre, und nun, in einer Welt, die ohnehin schon aus den Fugen geraten war, klang sie wie ein halbes Todesurteil. Sie spürte, wie sich ihre Nackenhaare aufstellten, ein instinktiver Warnreflex, den sie gerade am liebsten einfach ignorieren würde. Sie ließ ihren Blick kurz in der Ferne hängen und sah den Regentropfen beim Fallen zu, während sich ein Seufzen über ihre Lippen bewegte. Sie wusste um die animalische Grausamkeit des einen und die kühle, telepathische Präzision der anderen. Bisher waren die Avengers diesen Kreisen weitestgehend aus dem Weg gegangen; Mutanten-Angelegenheiten waren oft eine Welt für sich gewesen, in die man nur ungern eingriff, wenn es nicht absolut notwendig war. Doch diese Trennung existierte nicht mehr.

    „Ich frage mich ja, was sie sich von dem Kopfgeld erhoffen. Vielleicht geht es Sabretooth auch einfach nur um die Jagd. Ich glaube, er war noch nie jemand, der einen Grund brauchte, um Blut zu vergießen.“ Und das wäre vermutlich ein noch viel schlimmeres Problem, wenn es gar nicht um die Sache an sich ging, sondern einfach nur um einen gewissen Spaß in einer scheinbar grausamen Welt.

    Sie merkte das Unbehagen in der Haltung der Mutantin. Es war selten, Marrow so sichtlich beunruhigt zu sehen. Nat hatte das Gefühl, sie musste die Situation herunterspielen, nicht nur für ihr eigenes Nervenkostüm, sondern vor allem, um Marrow nicht das Gefühl zu geben, sie hätte sich für eine verlorene Sache in Gefahr gebracht. Für einen ganz kurzen Moment, legte die Russin ihre Hand auf Marrows Schulter, als hätte es auch nur die Chance einer beruhigenden Wirkung. „Wir sind nicht Magneto, das stimmt“, sagte sie mit einer Stimme, die versucht professionell wirken sollte. „Aber wir sind auch keine leichten Ziele. Wir haben schon gegen Götter und außerirdische Armeen gekämpft. Ein paar Mutanten mit Größenwahn sind… nun ja, sie sind ein Problem, aber wir haben Übung darin, Probleme zu lösen.“ Sie log nicht direkt, aber sie verschwieg den Teil, in dem sie wusste, dass eine Telepathin wie Frost das Team von innen heraus zerreißen könnte, bevor ein Kampf überhaupt begonnen hatte. Vor allem jetzt, wo die Egos in der Facility ohnehin schon wie hochexplosives Material aufeinanderprallten.

    „Danke. Ich weiß, dass du uns nicht hättest warnen müssen. Und dass du dich selbst in die Schussbahn dafür begibst“, sagte sie dann langsam und presste kurz die Lippen zusammen. „Glaubst du, sie wären so dumm und hätten es auf die Facility abgesehen? Eher auf uns einzeln? Hier in der Stadt?“ Natasha ließ ihren Gedanken kurz freien Lauf als wäre es eine Art merkwürdiges Brainstorming. Aber wenn sie eine ganze Gruppe effektiv ausschalten wollte, dann würde sie sich dann, wenn es niemand erwarten würde, jeden einzelnen vorknöpfen, um möglichst wenig Gegenwind zu erhalten.

    #1290

    Rica
    Administrator

    Nebula starrte ihn an, während sie versuchte, die Logik hinter seinen Worten zu erfassen. Ein Turm, der nach etwas benannt wurde, das er nicht war, um eine Herrscherin zu beherbergen, die nur in einem Buch existierte – für sie ergab das noch weniger Sinn als der Begriff selbst. In ihrem Kopf blieb das Bild von gebleichten Elfenknochen als Baumaterial haften; eine weitaus logischere, wenn auch makabere Verwendung von Ressourcen als ein bloßer Name aufgrund einer Farbe. Diese Spezies verschwendete ihre Zeit mit Phantomen, während die echte Welt vor ihren Augen zerfiel.
    Sie musterte ihn ein letztes Mal. Das Gespräch war an einem toten Punkt angelangt. Es gab keine Daten mehr auszutauschen und keine Logik, die seine emotionalen Blockaden durchbrechen konnte. Er war eine beschädigte Einheit, die sich weigerte, repariert zu werden.

    Sie wandte sich halb ab, hielt jedoch kurz inne, um ihm eine letzte Warnung über die Schulter zuzuwerfen. „Ich werde dich im Auge behalten. Ich trau dir nicht. Mach also keine Dummheiten. Bleib Stark aus dem Weg, wenn du nichts beizutragen hast.“ Ohne auf eine Erwiderung zu warten, drehte sie sich endgültig um und schritt mit festen, lautlosen Schritten davon. In ihrem Kopf hallten seine Worte noch immer nach – dieser unsinnige Turm aus Knochen, die keine waren, und eine Kaiserin, die nur in den Träumen eines Kindes existierte. Es war diese typisch menschliche Art, die Leere mit Geschichten zu füllen, anstatt sich der nackten, grausamen Wahrheit des Universums zu stellen.

    Sie spürte eine gewisse Art von Verachtung für diesen Mann, der sich im Schatten eines Zauns versteckte und seine Wunden leckte, während die Galaxis in Scherben lag. Für sie war er kein Verbündeter, sondern ein Krieger, der seine Funktion aufgegeben hatte. Als sie die massiven Tore der Facility erreichte und das künstliche Licht des Innenraums ihre bläuliche Haut traf, hielt sie kurz inne. Sie dachte an Tony. Sollte sie ihm von dem Mann im Wald erzählen? Nebs starrte einen Moment lang auf ihre künstliche Hand, die Finger fest geschlossen. Wenn sie es ihm sagte, würde er nach Antworten suchen, die es nicht gab. Er würde versuchen, eine Brücke zu jemandem zu bauen, der offensichtlich lieber im Dunkeln bleiben wollte.

    Sie entschied sich dagegen. Nicht aus Gnade für den Bogenschützen, sondern aus einer seltsamen Form von Loyalität gegenüber Tony. Er brauchte keine weiteren Gespenster in seinem Haus. Solange der Mann draußen im Gebüsch blieb und keine Dummheiten beging, war er auch keine Gefahr.

    #1289

    Rica
    Administrator

    Natasha ließ den Blick einen Moment lang durch den Salon wandern. Das gedämpfte Licht, das durch die schweren Vorhänge fiel, legte sich wie ein Filter über die Szenerie und ließ die Konturen der Möbel unscharf werden. Es roch nach altem Holz und einer Zeit, die lange vor den Avengers, vor Iron Man und vor der Black Widow gelegen hatte. „Niemand verlangt von dir, zu vergessen“, begann sie schließlich. Ihre Stimme war leise, fast ein Flüstern und doch schwang eine unnachgiebige Festigkeit darin mit. Sie machte einen langsamen Schritt auf ihn zu, ihre Absätze dämpften auf dem dicken Teppich jeden Laut. „Glaubst du wirklich, ich würde hier stehen und von dir fordern, den Tod deiner Eltern einfach zu den Akten zu legen?“ Sie hielt inne und suchte seinen Blick. „Aber du sprichst immer von Loyalität, als wäre alles, was ich getan habe, ein Verrat an dir persönlich. In Leipzig wusste ich nicht, wo Steve hinwollte. Ich kannte den Plan nicht und ich kannte das Ziel nicht. Alles, was ich sah, war ein Team, das sich zerfleischte, weil wir aufgehört hatten, miteinander zu reden. Wir waren so versessen darauf, Recht zu behalten, dass wir gar nicht gemerkt haben, wie Zemo uns die Zündschnur an die Füße gelegt hat und auf genau diese Explosion gewartet hatte.“ Ein sachtes, fast trauriges Kopfschütteln folgte. „Hätte ich zusehen sollen, wie T’Challa Steve und Barnes dort exekutiert? In diesem Moment gab es kein ‚sauberes Protokoll‘ mehr. Es gab nur noch den Versuch, das Blutvergießen zu stoppen. Dass ich mich für das Leben meiner Freunde entschieden habe, war kein Urteil gegen dich.“ Sie trat noch ein Stück näher, bis sie fast in seinem persönlichen Bereich stand. „Du sagst, Barnes hat deine Eltern getötet. Und du hast recht. Das streitet niemand ab. Aber du weißt genauso gut wie ich, dass er keine Wahl hatte. Er war eine Waffe, die losgeschickt wurde.“ Ihre Hand hob sich kurz, als wollte sie seinen Arm berühren, doch sie hielt inne. „Und ich gebe dir nicht die Schuld an Thanos. Wir haben alle versagt, weil wir zugelassen haben, dass Stolz und Verträge wichtiger wurden als das Vertrauen ineinander. Wenn wir jetzt hier stehen und uns gegenseitig die alten Wunden vorhalten, dann fühlt sich das wie eine weitere Niederlage an. Und das weigere ich mich zu akzeptieren.“

    Natasha beobachtete schweigend, wie er sich über die Augen strich – eine Geste, die mehr über seine Erschöpfung aussagte als jedes Wort. Das Hissen der Friedensfahne war ein zerbrechliches Angebot, aber es war mehr, als sie vor einer Stunde noch erwartet hätte. Sie spürte, dass die Luft im Salon dünner geworden war, gesättigt von den Vorwürfen der letzten Jahre, die hier, im Schatten von Tonys Familiengeschichte, eine ganz eigene Schwere entwickelten. „Wahrscheinlich könnten wir das wirklich ewig ausdiskutieren“, stimmte sie leise zu und ließ die Schultern ein Stück sinken, als würde sie die unsichtbare Rüstung für einen Moment ablegen. „Ich habe vermutlich nicht weniger Zweifel wie du. Vielleicht sogar mehr.“ Kurz machte Natasha eine Pause. „Aber ich glaube, wenn jeder von uns sich nur ein kleines Stück weit bemüht – und da nehme ich mich ganz sicher nicht aus –, dann haben wir wenigstens eine Chance. Eine einzige, echte Chance.“ Ihr Blick wurde intensiver. „Das ist alles, was ich will. Für die Menschen da draußen, die versuchen, in dieser neuen Welt klarzukommen, und für uns als Team. Denn wenn wir ehrlich sind… wir haben sonst niemanden mehr. Wir sind wohl irgendwie das Einzige, was uns geblieben ist.“

    Die Stimmung schien sich zumindest während der Führung durch das Haus ein wenig aufgehellt zu haben, auch wenn sie angespannte Zwischenessens in der Luft liegen blieb. In der Werkstatt angekommen, schien dann jedoch etwas ganz anderes die Oberhand zu gewinnen. Der Aufprall kam so unvermittelt, dass Natasha keine Zeit für eine kontrollierte Abrollbewegung blieb. Tonys Griff war hart, fast verzweifelt, als er sie mit seinem vollen Gewicht zu Boden riss, um sie vor irgendetwas in Sicherheit zu bringen. Ihr flacher Atem stockte kurz, als sie hart auf dem alten Parkett aufschlugen, geschützt hinter der massiven Kante eines schweren Holztisches. Natasha spürte das raue Holz an ihrer Schläfe und den Staub der Jahrzehnte, der durch die plötzliche Bewegung aufgewirbelt wurde. Sie rührte sich nicht, die Muskeln angespannt und kurz überlegt, ob sie eine Waffe brauchen würde. Ihr Blick zuckte blitzschnell durch den Raum, suchte nach der Quelle der Gefahr, nach dem Einsturz, den Tony offensichtlich erwartete – doch da war nichts.

    Seine Stimme war nur noch ein gepresstes Krächzen direkt an ihrem Ohr. Natasha versuchte die Situation zu erfassen, doch sie konnte einfach nichts ausmachen, was hier sein sollte. Irgendeine Kindheitserinnerung, die über ihn gekommen war? Howard schien jedoch auch nicht wie ein Mann, der einfach Bomben in seinen eigenen vier Wänden zündete. Sie drehte den Kopf nur ein Stück, um Tony direkt anzusehen. Ihre Hand legte sich fest auf seinen Oberarm, ein harter, erdender Druck. „Tony, hör mir zu“, sagte sie ruhig. „Ich sehe gar nichts. Die Wand steht. Die Decke ist heil.“ Sie lockerte ihren Arm nicht aus seinem Griff, sondern blieb genau dort, wo er sie hingezerrt hatte – unten auf dem Boden, im Staub des Salons. „Schau mich an. Nicht die Wand, schau mich an. Hier ist nichts. Was auch immer du siehst … es ist nicht wirklich hier?“

    #1286

    Rica
    Administrator

    Natasha kletterte die Leiter ohne große Anstrengung nach oben, auch wenn sie sich nicht sicher war, wie durchgerostet das Metall schon sein könnte. Oben angekommen, ließ sie sich dann neben Marrow auf das nasse Metalldach sinken, während sie die Feuchtigkeit des Regens einfach versuchte zu ignorieren. Selbst wenn er im August angenehm warm war, war nasse Kleidung einfach ein unfassbar ekelhaftes Gefühl am Körper.

    Als Marrow das Schweigen brach, erwiderte Natasha das Lächeln, auch wenn es nur für einen kurzen Augenblick war. „Schön wär’s“, antwortete sie leise und sah zu, wie die Tropfen auf den Schienen unter ihnen landeten. „Ganz ehrlich? Ich würde mich über das Kompliment mehr freuen, wenn ich nicht das ungute Gefühl hätte, dass die Hütte lichterloh brennt, sobald du mir so eine Nachricht schreibst. Du bist nicht gerade der Typ für Kaffeeklatsch im Regen.“

    Sie verschränkte die Arme und starrte in die graue Suppe vor ihnen. Die Frage nach den Vorräten entlockte ihr ein kurzes, freudloses Schnauben. „Versorgungstechnisch ist alles okay. Es sind ja kaum noch Leute in der Facility übrig, da halten die Vorräte länger, als uns lieb ist. Aber die Stimmung…“ Sie hielt kurz inne und suchte nach den richtigen Worten. „Wir saßen gerade alle zusammen, um die Lage zu klären. Sagen wir einfach, es war… angespannt. Der Raum war zu klein für all die Egos und den Frust, der sich da aufgestaut hat.“ Sie wandte den Kopf leicht zur Seite und fixierte Marrow mit einem forschenden Blick. „Also, was hast du? Mach es nicht noch spannender, als es ohnehin schon ist. Wer ist in Schwierigkeiten?“

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