STORY

„Ich bin unvermeidbar.“

Mit Hilfe der sechs Infinity-Steine hat Thanos ein neues, dunkles Zeitalter eingeläutet. Fünfzig Prozent allen Lebens wurden mit nur einem Fingerschnippen ausgelöscht. Zurück bleibt eine Welt, die vor der Herausforderung steht, sich neu zu entwickeln. Während die einen noch in Schockstarre versetzt sind, sehen andere die Chance, eine bessere Welt zu erschaffen.

Storyline | Timeline

INPLAY

Im Mai 2018 vollzog Thanos den Blip, zerstörte kurz darauf die Inifinity-Steine, um sein Werk zu besiegeln. Die Regierung und relevante Konzerne arbeiten Hand in Hand, um die allgemeine Lage zu stabilisieren. Die Bevölkerung wird aufgefordert in die Großstädte zu ziehen, da nur dort eine einigermaßen konstante Energieversorgung gewährleistet werden kann.

Inplay: August / September 2018

Wetter in New York: 20°C - 29°C

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... dieses postapokalyptischen Marvel-Zeitalters und entscheide, welche Rolle du in dieser Geschichte spielen wirst.

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Verfasste Forenbeiträge

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  • #1354

    Lini
    Administrator

    „Verständlich“, kommentierte James knapp. Er verweigerte sich der modernen Technik nicht, konnte ihr aber auch nicht allzu viel abgewinnen. Smartphones waren kleine Spione und das war längst keine Verschwörungstheorie mehr. Sie hörte mit, analysierten dein Profil. Sie speicherten deine Passwörter, Mailadressen und nutzten deinen Fingerscan, um Bezahlungen abzuwickeln. Vermutlich kannte das Smartphone einen besser, als der eigene Partner. Und wenn diese kleinen Dinger das schon konnten, was war dann noch alles möglich? Vermutlich konnte sich James maximal die Spitze des Eisbergs ausmalen. Fury hatte also allen Grund, der Technik zu misstrauen. Programme, die von Menschen geschrieben wurden, konnten auch von Menschen genutzt werden. Zemo hatte es bewiesen. Er hatte sogar alte Aufzeichnungen von Überwachungskameras aufrufen können. Jahrzehntealtes Material. Offenbar war einiges möglich, wenn man das Wissen besaß und die notwendige Geduld aufbrachte.
    Sein Blick ging zu Natasha. „Du versteckst uns.“ Kein Vorwurf, nur eine nüchterne Feststellung des Offensichtlichen. Wobei Natasha wohl eher ihn versteckte. Vor Stark. Offenbar fürchtete sie, dass es sonst erneut zu … Unannehmlichkeiten kommen könnte. Und das wiederum hieß, dass Howards Sohn James noch immer nicht verziehen hatte. Vielleicht würde er das auch nie und James könnte es ihm nicht mal verübeln. Er konnte sich ja nicht mal selbst verzeihen. Da konnte Steve ihm noch so oft sagen, dass er keine andere Wahl gehabt hatte. Die Bilder waren da, ließen sich nicht einfach abschalten. Und sie quälten James. Tag für Tag.

    New Yorks Skyline schrumpfte, rückte in immer weitere Ferne. Unter ihnen nur das glasklare Blau des Meeres. James ließ sich etwas tiefer in den Sitz sinken und ließ seinen Blick über die teilweise noch analogen Instrumente gleiten. Deutlich älter, vermutlich sogar veraltet, aber immer noch neuer als das, womit James sich auskannte. „Eigentlich hatte ich tatsächlich eher geglaubt, die Dosenraviolimafia auffliegen zu lassen“, erwiderte er trocken. „Und wären wir nicht gerade in einem apokalyptischen Zeitalter gefangen, wäre Rente vielleicht gar keine so schlechte Idee.“ James schloss die Augen und versuchte sich auszumalen, wie das aussehen könnte. „Stundenlang am Hudson mit einer Angel und sonst nur Stille.“ Wobei es ja genau diese ruhigen Momente waren, die sein Inneres umso lauter brüllen ließen. Vermutlich würde James keine ruhige Minute haben. „Besuche in der Oper. Tanztee.“ James öffnete die Augen wieder, zog die Brauen leicht zusammen und sah dann zu Natasha. „Falls es sowas überhaupt noch gibt.“ Womöglich war das auch ein Relikt seiner Zeit.

    #1347

    Lini
    Administrator

    Auf dem Gebiet überließ Tony Isaure das Feld, denn das war eindeutig ihr Metier. Zwar konnte er ihren Gedankengängen folgen, aber welche Auswirkungen eine Kreuzung hätte, könnte er nicht mal im Ansatz absehen. Vor allem dann nicht, wenn Isaure ihre Kräfte außen vorließ – und das musste sie in diesem Fall. Naheliegend war aber, dass es eine Minderung der Leistung mit sich ziehen würde – wenn es denn überhaupt funktionieren würde. Offenbar sah Isa das ähnlich, ging sogar von einer Leistungsminderung von fünfzig Prozent aus. Das war enorm und müsste kompensiert werden.

    „Wir müssten jede Pflanzen mit einer Iode und einer Anode ausstatten und diese koppeln. Das ist aber das kleinste Problem. Das größere Problem ist, dass die Pflanzen dauerhaft feucht gehalten werden müssen, um die Spannungsabgabe nicht zu unterbrechen. Es würde also sinnvoll sein, sie in Wassernähe anzupflanzen, um nicht das Trinkwasser zu stark zu belasten.“ Denn da wären sie wieder bei dem Ressourcenpunkt. Niemand würde das Projekt unterstützen, wenn dadurch lebenswichtige Ressourcen verschwendet werden würden. Und Tony würde das selbst auch nicht tolerieren können. „Nehmen wir aber mal an, das kriegen wir alles geregelt, dann bräuchte es einen Energiespeicher und Verteiler, die zumindest umliegende Gebäude abdecken könnten. Und da wären wir aber bei dem Knackpunkt: „Könnte. Solange es keine Ergebnisse gibt, wird es wohl keine Genehmigung geben.“ Auch wenn die Bürokratie auf ein Minimum reduziert worden war, gab es sie noch. Und gerade die Energieversorgung war ein wichtiger Punkt. Sollte Isaures Konstrukt funktionieren, wäre es durchaus eine Bereicherung. Doch ohne Forschungsergebnisse würde es wohl ein Himmelsschloss bleiben und im Schredder landen. „Wir könnten allerdings an der Facility einen Testlauf starten.“ Das Gelände war abgeschieden, in Tonys Besitz und es gab alles, was sie brauchten. „Der Hudson liegt direkt an, von dort können wir Wasser beziehen. Und wir könnten einen Bereich von der Versorgung durch den ARC-Reaktor abkoppeln und ihn mit dem Speicher für die Pflanzen verbinden. Da können wir messen, wie stabil es läuft.“

    #1341

    Lini
    Administrator

    Es fiel Tony schwer, sich nach dem, was er gerade gesehen hatte – oder glaubte gesehen zu haben – zu fokussieren. Noch immer stritten Auge und Verstand sich ums Recht. Womöglich doch eine Halluzination? Ausgelöst von dem Schlafmangel? Das musste es gewesen sein. Nur das konnte es gewesen sein. Natasha hatte nichts gesehen und die Wand, die eben noch von einem Chitauri pulverisiert worden war, war nun vollkommen intakt. Ein Trugbild. Noch während Tony versuchte, das als Erklärung abzutun, tat sich eine Tür auf. Überrascht blickte er erst zu dem freigewordenen Durchgang, dann zu Natasha, die offenbar den Türöffner gefunden hatte und wieder zurück in die Dunkelheit. „Eigentlich sollte mich das nicht überraschen …“ Tat es dennoch. Tonys Vater war ein Mann voller Geheimnisse und einmal mehr fragte er sich, ob seine Mutter von alledem gewusst hatte. Ob sie ihren Mann wirklich gekannt hatte oder lieber abends neben dem Mann eingeschlafen war, den sie glaubte zu kennen. Tony hatte bei Pepper stets mit offenen Karten gespielt, aber man sah ja, wohin das geführt hatte. Immer wieder geriet ihre Beziehung in Schräglage. Er konnte einfach nicht aufhören mit dem, was er tat und sie hielt die ständige Angst nicht aus. Vielleicht waren manche Geheimnisse gar nicht so verkehrt.

    Es dauerte einen Moment, bis Tony sich von den Fragen – auf die er ohnehin niemals mehr eine Antwort kriegen würde – lösen konnte. Und erst jetzt fiel ihm auf, dass Natasha längst in die Dunkelheit getaucht war. „Shit“, murmelte er und folgte ihr, auch wenn er sich noch immer nicht sicher war, ob er wirklich alle Geheimnisse seines Vaters herausfinden wollte.
    Statt aber in einem Labor oder einer S.H.I.E.L.D.-Einrichtung, fand Tony sich … im Freien wieder? Abrupt stockte er, spürte eine unnormale Kälte. Kahle Bäume standen um sie herum, als wären sie mitten in einem Winterwald. Tony machte einen Schritt auf Natasha zu, die wie angewurzelt dastand. Unter seinen Sohlen knirschte es. Sein Blick ging hinab. Schnee. Als er sich umdrehte, war die Tür weg, die Natasha eben erst geöffnet hatte. Stattdessen war da ein zugefrorener Pfad. Unmöglich. Irgendwas stimmte hier nicht. Das war nicht real. Doch die Stimmen, die ihn nun erreichten, waren klar und deutlich. Und auf Russisch. Tony wandte sich um, sah zwei Männer und ein Kind. Er beobachtete die Szenerie, sah zu dem kleinen Mädchen, das wie Ware angepriesen wurde und allmählich dämmerte es ihm, was er da sah. Natasha sprach nicht oft über ihre Vergangenheit, aber er wusste, dass sie schon von klein auf zu einer Spionin ausgebildet worden war. Und das kleine, hilflose Ding war … sie?! Sein Blick schnellte zu Natasha, die einfach dastand und sich das ganze besah. Sie sah es. Genauso wie er eben auch das außerirdische Monster gesehen hatte. Aber während er die anderen Szenen gekannt hatte, war das hier … nicht seine Erinnerung. Es war ihre. „Ey!“, rief er den Männern zu, doch das Bild blieb unterverändert. Als wären sie nur Zuschauer. Unsichtbar für die Protagonisten. Tony schob sich zwischen Natasha und das Bild, sodass er die Szenerie im Rücken hatte. „Natasha?“, versuchte er ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. „Ich weiß nicht, was hier vorgeht, aber das ist nicht real.“ Vielleicht war es das mal für sie gewesen. Hinter ihm erklang ein kaltes, triumphales Lachen.

    #1340

    Lini
    Administrator

    Auf Nebulas Aussage konnte Tony nichts weiter erwidern, denn es stimmte. Und er selbst war auch eher der Realist, als der Optimist. Was nicht hieß, dass er nicht versuchte, die Gegebenheiten ins Bessere zu rücken. Pessimismus war dieser Tage vollkommen deplatziert und würde die Menschen nicht voranbringen. Die Weltwirtschaft musste wieder ihren Kurs finden, die Menschheit sich neu orientieren. Erst dann würde man an der Zukunft arbeiten können. Dass es bis dahin noch ein weiter Weg war, war Tony durchaus bewusst. Noch immer befanden die meisten sich in einer Art Schockstarre. Sie funktionierten, weil sie es mussten, nicht, weil sie wollten.

    „Es ging nie darum, eine Mauer zu bauen.“ Tony stockte, trugen die Worte auf der Erde doch einen bitteren Beigeschmack mit sich. „Es sollte eher ein Warnsystem sein. Du weißt schon: Diese roten Drehlampen, die anspringen, untermalt von einer nerv tötenden Sirene. Sowas in der Art.“ Natürlich nicht so, sondern einfach ein System, dass die Ankunft von Außerhalb zumindest verzeichnete. Genauso, wie Asteroiden verzeichnet wurden, die der Erde zu nah kamen. Etwas, durch das es kein Durchkommen gab, konnte man wohl kaum um den Planeten ziehen. Aber vielleicht hätten sie, wenn es das System gegeben hätte, Thanos’ Leute stoppen können, bevor sie auf der Erde landen konnten. Bevor sie Strange entführt hätten. Dann wäre es womöglich nie soweit gekommen. Aber das waren Gedanken, die Tony für sich behielt, weil Nebula sie vermutlich eh nicht nachvollziehen konnte.

    Mit beiden Hände schlug Tony auf die holografische Tischplatte, ließ sie da, um sich abzustützen. Durch die Berührung flackerte das Bild kurz, verzerrte das Atom. „Ich weiß es nicht, okay!“, entkam es ihm lauter und anklagender als beabsichtigt. Für einen Moment schloss Tony die Augen, atmete zwei Mal tief durch und sah dann wieder zu dem Hologramm, während er Nebula weiter zuhörte. Vielleicht hatte sie recht. Vielleicht war es unmöglich. Und wenn es doch eine Möglichkeit gab, vielleicht würde niemand diese Kraft aufbringen können, die Steine zu kontrollieren. Tony schluckte, stieß sich von der Platte ab und wandte sich wieder Nebula zu. „Aber ich kann auch nicht so tun, als wäre das alles nicht in greifbarer Nähe. Die Moleküle sind in unserer Erdatmosphäre. Und zum ersten Mal ist da was, mit dem man wirklich arbeiten kann.“ Leicht schüttelte er den Kopf. „Ich erwarte nicht mal, dass du das verstehst.“ Die Schuldgefühle ließen einfach nicht nach. Das Wissen, er hätte die Chance gehabt, Thanos aufzuhalten, raubte ihm den Schlaf. Kontrollierten sein Handeln, Tag für Tag. Tony straffte die Schultern. „Und davon ab, müssen wir doch alle irgendwann sterben.“ Dass er noch am Leben war, grenzte ohnehin an ein Wunder. Nicht nur einmal war er dem Tod nur knapp entkommen. „Aber zuerst sollten wir versuchen, die Phänomene in den Griff zu bekommen, die die Steine auslösen. Wenn wir die Atome neutralisieren, könnte der Effekt vielleicht verschwinden.“

    #1328

    Lini
    Administrator

    Die Sache mit dem Kaffee klang verlockend, weswegen Tony dem Angebot nachkam, die Küche aufsuchte und sich eine Tasse einschenkte. Dass es innerhalb dieser vier Wände nahezu normal wirkte, fiel Tony erst jetzt, wo er allein dastand, auf. Als könnte das weltweite Chaos dem Fleckchen nichts anhaben. Und für einen kurzen Moment hatte er sogar vergesse, was außerhalb vor sich ging. Für einen Augenblick war da wieder ein Hauch von Normalität. Als hätte jemand einfach den Pausenknopf gedrückt. Jetzt aber holte das Wissen ihn wieder mit aller Macht ein, brachte das Gedankenkarussell wieder zum Kreisen. Und da war noch etwas. Ein Anflug von schlechtem Gewissen gegenüber Pepper. Er hatte sie betrogen. Oder doch nicht? Waren sie noch verlobt oder hatte er sie endgültig vertrieben? Mit Blick ins Leere, nahm Tony einen Schluck, ehe er langsam zurück ins Wohnzimmer ging. Die drei Welpen lagen zu einem Häufchen zusammengekuschelt in einem Körbchen und schliefen.

    Es dauerte nicht lange, bis Isaure wieder auftauchte und ihn hinaus in den Garten führte. Bereitwillig folgte er ihr zu dem Gewächshaus, an dessen Ende eine weitere Tür war und wohinter sich das Labor erstreckte. „Thorne scheint sich viel von dir zu versprechen.“ Wenn er ihr wirklich all das hier ermöglicht hatte, dann erhoffte er sich wohl mehr von Isaures Arbeit. Etwas, dem Tony vielleicht wirklich mal auf den Grund gehen sollte. Zwar besaß er nicht das Energiemonopol, hatte in der jetzigen Zeit aber massiven Einfluss darauf, nachdem weltweit etliche Kraftwerke runtergefahren werden mussten, da nicht mehr genug Personal da war, um sie zu steuern. Und das Letzte, was der Planet noch brauchte, waren instabile Kernkraftwerke. Was immer Thorne sich hiervon versprach, Tony würde es nicht als unwichtig abstempeln.

    Sein Blick ging zu der Pflanze in dem Glaskasten. Nicht groß, nicht spektakulär und mit nur einer kleinen Blüte. Dennoch war unverkennbar, dass es genau um diese Pflanze ging. Dass das kleine Ding aber niemals auch nur im Ansatz ausreichen würde, um ganze Haushalte mit Energie zu versorgen, brauchte keiner der beiden aussprechen. Es war vielleicht ein Ansatz, aber sicher noch kein Erfolg. Tony runzelte leicht die Stirn, als er versuchte, Dumonts Gedankengängen zu folgen. „Soll manchmal helfen“, kommentierte er ihre Aussage, ehe es langsam dämmerte. „Du willst sie mit anderen Pflanzen kreuzen?“ Kein ungewöhnlicher Vorgang in der Flora und Fauna. War die Frage, ob der Energiegewinn derselbe blieb. Aber auf einen Versuch konnte man es sicher ankommen lassen. Was hatte Isaure schon zu verlieren? „Wenn das funktionieren würde, hätte man vielleicht eine unabhängige Energiequelle und könnte auch wieder ländliche Regionen versorgen.“ Bis es soweit sein würde, würde es noch dauern, das stand fest. Außerdem hing ja noch mehr daran. Aktuell war man froh, wenn man die zentralen Kerne ausreichend abdecken konnte. Aber nun hatten sie auch die Möglichkeit, etwas zu ändern. Den Planeten sauberer zu gestalten, um nicht die selben Fehler zu begehen, wie Generationen vor ihnen.

    #1309

    Lini
    Administrator

    Tonys Blick ging zur Fensterfront, die den Blick zum Garten freigab. Als würde man direkt auf eine Oase blicken. Es wirkte friedlich. Ruhig. Ein Bild purer Entspannung. Ein Trugbild, wenn man wusste, was außerhalb dieses Gartens passierte. Noch immer ging Tonys Atem schwer, sein Puls spürbar schneller, doch der Nebel in seinem Kopf lichtete sich immer mehr. Das Sandkorn war weg, die Zahnräder drehten sich wieder. Wenn man bedachte, dass er eigentlich hergekommen war, um Isaure des Diebstahls zu bezichtigen … Nun lag er neben ihr und versuchte alles irgendwie in Einklang zu bringen. Es hatte eine Zeit gegeben, da hatte er das Bett regelmäßig mit verschiedenen Frauen geteilt. Doch seit seiner Beziehung zu Pepper, hatte er sich dahingehend grundlegend geändert. Er war ihr treu gewesen, selbst in der Zeit ihrer Beziehungspausen. Das hier war …
    Isaure riss ihn aus seinen Gedanken und er würde lügen, würde er nicht genauso empfinden. Zwischen all dem Chaos, das in der Welt und vor allem in seinem Kopf tobte, war das hier eine wohltuende Pause gewesen. Er drehte den Kopf zu Isa und seine Mundwinkel zuckten leicht. „Eigentlich hatte ich mir das auch anders vorgestellt.“ Damit wandte er den Blick wieder ab, besah sich nochmal das Grün und war gedanklich schon dabei seine Sachen zu nehmen, als Isaure seine Aufmerksamkeit mit nur einem Satz zurück erhielt. Sein Kopf drehte sich wieder in ihre Richtung, als sie von der Pflanze mit der Blüte sprach. Etwas, das im Labor einfach nicht hatte klappen wollen. „Du hast es geschafft?“ War nur die Frage, ob mit oder ohne ihre Mutation. Wobei in Anbetracht der Weltlage wäre es vielleicht nicht mal von Relevanz – zumindest vorerst nicht. Das Problem war vielmehr, dass keiner wohl so genau sagen konnte, wie weit ihre Mutation überhaupt reichen würde. Ob sie dauerhaft Bestand haben würde, und wenn Isas Geisteszustand so instabil war, würde sie das nicht noch schneller in die Schizophrenie treiben?
    Nun stand Tony doch auf, raffte seine Klamotten zusammen und begann sich anzuziehen. „Zeigst du sie mir?“

    #1303

    Lini
    Administrator

    Isaure wirkte nun deutlich klarer. Ihr Blick war nicht mehr so trübe, das Grün lebendiger. Ähnlich wie all die Pflanzen, die sie umringten. Und selbst ihre Worte klangen neutral. Eine Feststellung, als würde man darüber reden, dass die Sonne gerade schien und nicht darüber, dass Isaure drohte, ihren Verstand zu verlieren. Tony kannte sich mit Schizophrenie nicht aus, hatte sich nie tiefer mit der Materie befasst. Die meisten psychischen Erkrankungen waren nicht heilbar, ließen sich mit der richtigen Behandlung aber therapieren und eindämmen. Aber genau da lag aktuell das Problem. Psychologen waren rar, Medikamente gingen aus und zu allem Überfluss war Isaure auch noch eine Mutantin. Drei Faktoren, die zum jetzigen Zeitpunkt nicht ungünstiger sein könnte. Die Hoffnung war, dass Marrow helfen konnte. Nicht zuletzt, weil Isaure in diesen Zeiten wirklich etwas bewirken könnte. Und genug kluge Köpfe den Blip zum Opfer gefallen waren. Und weil … da diese persönliche Ebene war. Isaure und er hatten viele Stunden im Labor zusammen zugebracht und auch wenn es unschön auseinanderging, so ein Schicksal wünschte er ihr nicht.

    Nun war er es, der auf ihre Hände niederblickte, die sich gegenseitig zu halten schienen. Einen Halt, den beide wohl brauchten. Genauso wie so viele andere Menschen auf dieser Welt. Nur hatte Tony das bisher gut verleugnet. Vor anderen, aber auch vor sich selbst. Stattdessen hatte er sich immer mehr in die Arbeit gestürzt. Regelrecht gesucht, wo es etwas zu tun gab, nur um sich nicht mit den persönlichen Geistern auseinandersetzen zu müssen. Und auch jetzt wollte er genau das nicht. Er könnte die Hände wegziehen. Er könnte einfach gehen. Und doch blieb er, wo er war. Allerdings hob er den Kopf wieder, suchte Isaures Blick. „Dann sollten wir die Zeit nutzen, die noch bleibt.“ Angefangen mit Thorne. Wenn dieser Mann wirklich jene um sich scharrte, die etwas bewirken konnten, wäre er eine größere Gefahr, als zunächst angenommen. Bisher hatte Tony ihm nur bedingt Aufmerksamkeit geschenkt. Vielleicht ein Fehler. Womöglich hatten sie Thorne alle unterschätzt und man sollte diese Gruppierung sprengen, ehe sie zu groß wird. Er sollte … Sollte … Seine Gedankengänge gerieten ins Stocken, als wäre da ein Sandkorn, dass das Getriebe aus seinem Takt brachte. Dafür spürte er. Er spürte, wie sich seine Finger mit denen von Isaures verschlungen. Sie war das Sandkorn und es ließ sich gerade auch nicht beseitigen. Womöglich wollte Tony das Problem gerade aber auch nicht beheben, weil es sich viel zu gut anfühlte, einfach mal diese Last abzulegen. Nicht nachzudenken. Nicht an Lösungen zu feilen. Dass er sich vermutlich mit dem hier direkt neue Probleme aufhalste, schob er auch gekonnt von sich. Stattdessen überwand er auch noch die letzte Distanz, kam Isaure so nah, dass er ihren Atem auf seinem Gesicht spürte. Sie wich nicht zurück, hielt noch immer seine Hand. In ihren Augen suchte Tony etwas, das ihm vermittelte, dass sie das hier nicht wollte. Dass er zu weit ging. Etwas, das ihn aufhalten würde. Aber da war nichts, weswegen auch die letzten Zweifel verstummten. Er lehnte sich vor, bis seine Lippen die ihren trafen. Erst dann schloss er die Augen.

    #1296

    Lini
    Administrator

    Natasha war nicht das Salz in der Wunde, sie war die gesamte verdammte Salzindustrie. Tony wusste nicht woher das kam, aber irgendwie hatte sie zu einer halbwegs alten Form zurückgefunden. Noch bei ihrem letzten Treffen hätte Tony nicht gedacht, dass das überhaupt jemals wieder möglich wäre. Es war nicht so, dass das nicht gut war, aber es kam eben etwas überraschend. „Dann sollten wir versuchen, die Chance zu nutzen.“ Da war so viel, das sich in ihm sträubte. Nicht, weil er nicht helfen wollte, sondern weil so viel zerbrochen war, dass man stetig barfuß über Scherben zu laufen schien. Aber er wollte nicht der Spielverderber sein. Wenn es klappte, gut. Wenn nicht, war er es, der sagen konnte Ich hab es euch ja gesagt. Was also hatte er zu verlieren? Wobei, wann immer er das gedacht hatte, gab es etwas, das er verloren hatte. Aber wie Natasha schon sagte: Sie hatten nur noch sich. Da war sonst niemand mehr. Einen Herzschlag lang drifteten seine Gedanken zu Pepper. Auch die Beziehung lag in Scherben. Mal wieder. Niemand hatte es bisher ausgesprochen, aber es war spürbar. Egal, wie nah sie sich waren, immer war da dieser klaffende Abgrund zwischen ihnen. Jeder verkroch sich in der Arbeit, als würde man nur einen Grund suchen, dem anderen nicht über den Weg laufen zu müssen. Tony wollte Pepper nicht unterstellen, dass sie nicht genug zu tun hatte, denn das hatte sie. Die ARC-Reaktoren waren gefragt wie nie, jetzt, wo das Stromnetz derartig instabil lief. Nichtsdestotrotz kam es einem Ausweichen gleich.

    Er spürte Natashas Hand an seinem Arm, den Druck. Das einzige reale Gefühl und doch sah er es. Als wäre es da. Als müsste er nur den Arm ausstrecken, um es zu berühren. Die kaputte Wand, das Portal über ihnen. Natashas Worte erreichten ihn, doch mussten sie sich erst einen Weg in sein Bewusstsein kämpfen. Sie wollte, dass sie ihn ansah, aber Tony hatte das Gefühl, würde er jetzt den Blick abwenden, könnte er eine nahende Katastrophe zu spät erkennen. Nur leicht drehte er den Kopf in ihre Richtung, den Blick immer noch auf das geöffnete Portal gerichtet.
    „Was auch immer du siehst … es ist nicht hier.“
    Die Worte waren wie ein Peitschenhieb, dem Tony nicht ausweichen konnte. Das Bild verschwamm und schließlich blieb ihm nichts anderes übrig, als zu blinzeln. Das Portal war noch da, blasser, als wäre es transparent. Es ist nicht hier, hallte Natashas Stimme nach. Mit Zwang löste er den Blick, sah zu Natasha und erwartete eigentlich schon eine nächste Erschütterung. Wobei … Erst jetzt fiel ihm auf, dass da gar keine Erschütterung spürbar gewesen war. Als wäre das ein simpler 3D-Effekt. Tony drehte den Kopf zurück. Die Wand war heile und kein Portal gab ein Blick ins All frei. Alles war … normal. Begann er jetzt ernsthaft den Verstand zu verlieren? War er das einzig abnormale hier? Man sagte ja, dass Genie und Wahnsinn dicht beieinanderlagen, aber das hier war eine Spur zu wahnsinnig.

    Tony rappelte sich auf, hielt Natasha die Hand hin, um ihr ebenfalls auf die Beine zu helfen, ehe er sich noch einmal umsah, um sich zu vergewissern, dass hier wirklich nichts war. Nichts. Als wäre all das, was er eben gesehen hatte reine Einbildung gewesen. Aber für eine Illusion hatte es viel zu real ausgesehen. Er konnte es auch kaum auf den Alkohol schieben. Es war zu wenig, um auch nur den Hauch eines Rausches auslösen zu können. Er war alt, was bei Alkohol aber kein Problem darstellte und wenn er mit irgendeinem Halluzinogen versetzt worden wäre, würde Natasha wohl auch etwas spüren. Ebenso, wenn hier irgendwelche Dämpfe austreten würden. „Wir … sollten nach einer Tür oder dergleichen suchen.“ Sein Blick ging wieder zu der Wand, hinter der laut Bauzeichnung noch Räumlichkeiten sein sollten. Oder sein könnten. Die Wand, die eben von einem Chitauri durchbrochen worden war. Tony atmete meine durch, ehe er darauf zuging. Jeder Schritt zu schwer, als würde ihn eine unsichtbare Macht davon abhalten, näherzukommen. Und immer damit rechnend, dass wieder etwas auftauchte, was offenbar nur er sah.

    #1295

    Lini
    Administrator

    James hinterfragte nicht, wohin die Fahrt ging. Die Zielstrebigkeit von Natasha ließ keine Zweifel zu, dass sie einen Plan hatte. Und er würde sie dabei unterstützen. Um nichts in der Welt würde er sie allein losziehen lassen. Sie hatten das zusammen begonnen und sie würden das auch zusammen zu Ende bringen. Zu welchem Ende auch immer. New York in dieser Dunkelheit zu sehen, hatte etwas Beklemmendes. Nur in wenigen Wohnungen brannten Lichter. Manche so schwach, dass sie vermutlich eher von Kerzen oder kleinen Nachtlichter stammten. Die gigantischen Wolkenkratzer, die einst Büros für große Firmen bargen, lagen in Finsternis. Niemand arbeitete mehr dort. James hatte mitbekommen, dass viele dieser Räumlichkeiten zu Wohnungen umfunktioniert werden sollten, um weiteren Wohnraum zu schaffen. Kleinere Städte konnten kaum bis gar nicht mit Energie versorgt werden, weswegen man die Bevölkerung aufforderte, in die Großstädte zu ziehen. Wo New York früher selbst bei Nacht belebt war, sah James während der Fahrt nur wenige Menschen draußen. Zwei waren mit ihren Hunden unterwegs, eine Gruppe Halbstarker saß an einer verlassenen Haltestelle, die Flaschen in der Hand und lauthals grölend. Alles hier wirkte so verlassen. So verloren.

    Die Fahrt endete vor einem alten Gebäude, das mit Graffiti versehen worden war. James stieg von dem Motorrad, behielt die Gegend im Auge, während Natasha das Gefährt unter ein Vordach stellte. „Wo sind wir hier?“ Statt einer Antwort, legte Natasha etwas frei, das nach einem elektronischen Türöffner aussah und tatsächlich schob sich kurz darauf das massive Stahltor auf. Alle anderen Fragen erübrigten sich, als sie das Innere betraten. Allein das Logo war ihm nur allzu vertraut. „S.H.I.E.L.D.“, stellte er eher für sich fest. Dass Natasha eine Weile für die Organisation tätig gewesen war, war ihm bekannt und somit hinterfragte er auch nicht, woher sie diesen Ort kannte. Allerdings war das Gebäude innen genauso verlassen, wie es von außen ausgesehen hatte. Die schwache Notbeleuchtung warf lange Schatten und versuchte sich gegen die Dunkelheit zu wehren. Der Geruch von Staub, abgestandener Luft und Elektronik lag in der Luft. Die Umrisse eines Fluggeräts tauchten auf und genau darauf steuerte Natasha zu. James folgte ihr, kam aber nicht umhin, sich immer wieder umzusehen. Als könnte in den Schatten der Halle etwas lauern. Erst, als sie den Jet betreten hatten, ließ die Anspannung ein wenig nach.

    Natasha startete die Elektronik und im Schein des grünen Lichts konnte James die Zufriedenheit auf ihrem Gesicht erkennen. Nach und nach fuhren die Instrumente hoch, die Flugbahn wurde berechnet und kurz darauf hob sich über dem Jet das Dach und gab den Weg frei. James ließ sich auf dem Co-Piloten-Platz nieder, während Natasha gekonnt den Jet aus dem Hangar manövrierte. Nahezu lautlos stieg er in die Luft, verschmolz mit der Dunkelheit mit Kurs aus Tadschikistan. „Als du gesagt hattest, ich sollte mich etwas engagierter zeigen, hatte ich nicht mit sowas gerechnet.“ Natasha vermutlich auch nicht. Eigentlich hatte James gedacht, hier und da ein paar Kleinkriminelle in ihre Schranken zu weisen und nicht, mit weiteren Geistern der Vergangenheit konfrontiert zu werden.

    #1294

    Lini
    Administrator

    „Wenn Optimismus einen Namen hätte … deiner wäre es nicht.“ Aber tatsächlich konnte Tony damit weit besser umgehen, als mit Heuchelei und Lügen. Er brauchte niemanden, der ihm Honig ums Maul spielte. Es war hilfreicher – wenngleich es das Ego ankratzte – wenn man den Spiegel ab und an mal vorgehalten bekam. „Aber genau genommen ging es nie darum, gut von böse zu trennen“, räumte Tony ein, den Blick unnachgiebig auf Nebula gerichtet. „Es ging vielmehr darum, alle auszuschließen.“ Tony aktivierte ein weiteres holografisches Fenster. Es zeigte den Destroyer, dann den Chitauri-Angriff, das Eintreffen der Dunkelelfen und schließlich Thanos’ Ankunft. „Jeder Angriff von Außerhalb hat Zerstörung und Tod mit sich gebracht. Keiner kam her, um mal eben unsere Toilette zu benutzen, weil er auf der Durchreise war. Nichts von alledem wirft bisher ein gutes Licht auf die außerirdischen Völker.“ Gut, Thor bildete da eine Ausnahme, der war tatsächlich hilfreich gewesen. Auf der anderen Seite war es aber auch sein Verschulden, dass der Destroyer und die Dunkelelfen hier aufgeschlagen waren. „Da war die logische Konsequenz, niemanden mehr reinzulassen.“ Und wenn es geklappt hätte, vielleicht hätten sie dann auch Thanos daran hindern können, an die Steine zu gelangen. Aber dazu hätte man erstmal wissen müssen, dass ein übermächtiger Titan diese suchte und dass ein übermütiger Zauberer einen davon als modisches Accessoire trug.

    Bescheidenheit zählte Tony tatsächlich nicht zu seinen Eigenschaften, da konnte Nebula es noch so sehr als Stärke hervorheben. Sein Vater hatte ihn von Kindertagen an darauf trainiert, hervorzustechen. Die eigenen Fähigkeiten nicht zurückzuhalten. Es war schwer zu sagen, ob Tony so weit gekommen wäre, hätte er diese Art der Erziehung nicht genossen. Wenn er Bescheidenheit gelernt hätte. „Oder eine Bremse, die dich davon abhält, Größeres zu erreichen. Jede Medaille hat zwei Seiten.“

    Die Entschlossenheit in Nebulas Blick unterstrich ihre Worte regelrecht. Und sie hatte recht. Man konnte die Vergangenheit nicht mehr ändern, musste sich mit dem arrangieren, was nun war. Und genau das hatte Tony auch versucht. Er hatte geholfen, so gut es ging und tat es auch weiter. Nur linderte das die Schuld nicht. Sie war da. Ein Schatten, der einen auf Schritt und Tritt begleitete. Vielleicht würde es irgendwann besser werden, vielleicht würde Tony sich aber auch an die Präsenz gewöhnen müssen. Er straffte seine Schultern, hob den Kopf etwas. „Dann sollten wir uns zuerst Mal das Steinproblem vornehmen“, erwiderte er, die Stimme fester, der Blick klarer. Es war leichter, wenn er den Fokus auf etwas legen konnte, dass die finsteren Gedanken beiseite schob. Wie ein Licht, dass die Schatten deutlich kleiner werden ließ.
    Tony wandte sich wieder dem Hologramm zu, schloss das, das die Alienangriffe gezeigt hatte und besah sich das, was F.R.I.D.A.Y. für die Infinity-Steine aufgebaut hatte. „Man kann Atome extrahieren, allerding eher in kleinen, geschlossenen Räumen. Die Ionen aus der Luft zu fischen wird nicht funktionieren. Man könnte höchsten versuchen, sie zu neutralisieren. Dazu müssten wir allerdings wissen, welche Elektronen das Ion verloren oder gewonnen hat. Und dafür müsste man erstmal wissen, welche Ursprungsform das Atom hat.“ Dass er seine Gedanken laut aussprach, galt zum einen, um Nebula daran teilhabenzulassen, zum anderen, um sich selbst der Arbeit, die da vor ihm lag, bewusst zu werden. „Wenn wir herausfinden, wann welcher Stein einzeln eingesetzt wurde, können wir eventuell zumindest die Zusammensetzung erfassen.“ Tony wandte sich Nebula zu. „Ich weiß, wann Loki den Stein eingesetzt hat und denke, Wong wird mir sagen können, wann Strange den Zeitstein verwendet hat.“

    #1291

    Lini
    Administrator

    Gern würde Tony sagen, dass das, was Isaure da sagte, eine heilende Wirkung besaß, aber es glich eher dem Versuch, als würde man ein zerborstenes Glas mit Spucke kleben wollen. Sie folgte Thornes Ideologie nicht, dennoch ließ sie sich von ihm bezahlen. Sich kaufen. Tony kannte den fanatischen Spinner nicht, aber es fiel ihm schwer zu glauben, dass er Dumonts Forschung aus reiner Nächstenliebe finanzierte. Isaure war näher gekommen, während sie von den Verlusten sprach. So nah, dass Tony nicht mal mehr den Arm ganz ausstrecken bräuchte, um sie zu berühren. Er hörte ihre Worte, aber auch das, was dazwischen lag. Die ganze Zeit schwang ein aber mit. Und auch ihr Blick verriet so viel mehr. Da war etwas, das Tony nicht zu deuten wusste. Wie ein Feuer in finsterster Nacht. Ein Hoffnungsfunke. Und schließlich sprach Isaure genau das aus, was dieses Leuchten hervorrief. Tony zweifelte nichts von alledem an, was sie sagte. Dass die Menschheit die Erde zugrunde richtete, war ein Fakt, den man nicht bestreiten konnte. Und es gab eine Zeit, da hatte Tony maßgeblich dazu beigetragen. Und trotz seiner Bemühungen, umweltfreundliche Energie zu entwickeln, verbrauchten die Menschen weit mehr Rohstoffe, als die Erde zu bieten hatte.

    Isaure war wieder von ihm weggetreten und es war, als hätte sie Platz gemacht für all die Erinnerungen an diesen einen verhängnisvollen Tag. Ein Tag, der so normal angefangen hatte und der in einer unvorstellbaren Katastrophe geendet war. „Ich wünschte, ich hätte es verhindern können.“ Oder er hätte sich einfach aufgelöst. Thanos meinte, dass die fünfzig Prozent willkürlich ausgewählt worden waren und doch kam es Tony eher wie eine Strafe vor, dass er noch lebte, um all den Schmerz, die Selbstzweifel und die Schuld tragen und ertragen zu müssen. Genau das war es auch, das ihn immer weiter antrieb. Das ihm den Schlaf raubte und ihn weit – ungesund – über seine Grenzen brachte.
    Ein Schatten legte sich auf die ohnehin dunklen Augen und seine Gesichtszüge wurden ein wenig härter. „Ich hätte es verhindern müssen.“ Hätte, müsste, könnte. Das machte es leider nicht mehr ungeschehen. Nichts würde das, was Thanos getan hatte, wohl je wieder ungeschehen machen. Die Steine waren zerstört, wenngleich die Atome noch da waren. Sich im All ausbreiteten und offenbar die merkwürdigen Phänomene hervorriefen. „Es tut mir leid.“ Er spezifizierte nicht, was, die Liste wäre auch endlos.

    Diesmal war Tony es, der einen Schritt auf Isaure zumachte und die Distanz wieder verringerte. Er suchte ihren Blick, sah sie eindringlich an. „Fall bitte nicht auf die Worte von diesem Thorne rein. Ich glaube dir, dass die Welt sich erholt und ich bin mir auch sicher, dass das Leben auf der Erde weitergehen wird.“ Die Erde hatte schon mehrere Katastrophen überstanden, nichtsdestotrotz war dieser Irrsinn, den Thorne da verbreitete gefährlich. „Aber bis es soweit ist, dass es wieder halbwegs normal wird, ist das quasi ein Freifahrtschein für Leute wie ihn. Er trifft die Menschen da, wo die Wunde am tiefsten sitzt.“ Ein Sektenführer, das traf es wohl am ehesten. Thorne nutzte die Verletzlichkeit der Menschen aus, um sie für sich zu gewinnen. Leise erschlich er sich die Gunst seiner Anhänger, wie eine Spinne, die ihr Netz gespannt hatte und nur darauf wartete, dass sich weitere Opfer darin verfingen. Nun streckte Tony doch seine Hand aus, legte sie an Isaures Unterarm, drückte diesen sanft. „Lass dich nicht zu seinem Spielball machen. Ich weiß nicht, was er plant, aber ich glaube zumindest, dass hinter all dem ein Plan steckt.“

    #1283

    Lini
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    Ein Name. Zwei Worte reichten aus, dass Tony einen Schritt zurücktrat. Als hätte Isaures Stimme es geschafft, ihn von sich zu schieben. Tonys Gesichtszüge hatten sich verhärtet, seine Augen verengten sich. „Thorne?“, wiederholte er, als müsste er sich vergewissern, sich nicht verhört zu haben. Dass Dumont den Deal mit Nennung ihres Geldgebers eingegangen war, war zur Nebensache geworden. Natürlich hatte Tony schon von dem Spinner gehört, der den Blip als Befreiung ansah. Der am laufenden Band predigte, dass die Erde diese Art der Reinigung gebraucht hatte. Der mit Messwerten um sich warf, die aufzeigen sollten, dass der Planet sich schon jetzt erholte. Der Thanos nahezu huldigte. „Von allen Menschen, die noch geblieben sind, machst du dich ausgerechnet von ihm abhängig?“ Klar, Isaure war der Natur verbunden und vermutlich spürte sie die Veränderungen nochmal ganz anders. Aber der Typ war durchgeknallt und ausgerechnet der wollte sich einer schizophrenen Mutantin annehmen? Das alles klang für Tony viel zu logisch, als dass hier Zufälle im Spiel waren. Thorne mochte in Tonys Augen ein durchgeknallter Spinner sein, aber das hieß nicht, dass er nicht durchaus intelligent war. Er hatte schon jetzt viele Leute um sich geschart, mit seinen Worten vergiftet.

    Nachdem die erste Überraschung verflogen war, nickte Tony, als würde er die Vereinbarung so nochmal bestätigen. „Dann werde ich mich da mal etwas umhören.“ Das dürfte interessant werden. Ob Thorne genauso von Thanos denken würde, wenn er dem Titan direkt gegenübergestanden hätte? Wenn er gespürt hätte, über welche Kraft er auch ohne die Steine verfügt hatte? Welche Überlegenheit er besessen hatte? Thorne huldigte einem Massenmörder. Aber für Tony hatte das einen zusätzlichen bitteren Beigeschmack. Er hätte Thanos aufhalten können. Aufhalten müssen. Aber er hatte versagt.
    Tonys Kiefer malte, als er immer wieder die Zähne aufeinanderpresste und lockerer ließ. „Folgst du seiner Ideologie?“ Er wusste nicht mal, ob er die Antwort wirklich hören wollte. Was, wenn ja? Könnte Tony das überhaupt mit seinem Gewissen vereinbaren? Oder würde er das alles jetzt und hier abbrechen und darauf hoffen, dass einfach niemand mit den Ergebnissen etwas anfangen konnte? Es kam ihm wie ein Verrat an all jenen vor, die gekämpft hatten. Und an jenen, die zu seinen Opfern geworden waren. Obwohl es warm war, lief Tony ein eisiger Schauer den Rücken hinab und all die Bilder drängten sich wieder in den Vordergrund. „Findest du auch, dass das, was Thanos getan hat, richtig war?“ Seine Worte waren drängender als beabsichtigt und eine Schärfe lag darin, die seine Sicht auf die Dinge nur allzu deutlich machte.

    #1280

    Lini
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    Über diesen Punkt würden sie heute nicht hinauskommen. Vielleicht irgendwann. Vielleicht auch nie. Natasha mochte es als Loyalität dem Team gegenüber ansehen, den Gedanken konnte Tony allerdings nicht teilen. „Mag sein, dass du das so siehst, das will ich dir nicht absprechen. Was ich gesehen habe ist, dass du einem Mann gegenüber loyal warst, der einen Kindheitsfreund über das Team gestellt hat. Dem es egal war, was aus allen anderen wurde, nur um einen Mörder aus der Schusslinie zu bringen. Der sich dafür selbst zum Staatsfeind gemacht hat. HYDRAs Einfluss auf Barnes hin oder her. Cap hat sich ganz klar positioniert. Nicht nur in Leipzig, auch in Sibirien.“ Tony redete ruhig, nahezu neutral, obwohl in seinem Inneren schon seit dem Vormittag ein Sturm wütete. Einer, der all die Erinnerungen aufgewirbelt hatte und ihm die mit aller Macht entgegendrückte. Ohne die Chance, irgendwo Schutz zu finden oder Deckung zu suchen. „Und ja, ich hätte anrufen können. Aber wozu? Es war verhältnismäßig ruhig in der Zeit. Mal abgesehen …“ Tony stockte kurz, als ein Stechen seine Brust durchzog und sein Herz aus dem Rhythmus brachte. „Mal abgesehen von Parkers Alleingang.“ Für einen Moment glaubte Tony, den sich auflösenden Peter in seinen Händen spüren zu können. Er schloss die Finger zu einer Faust und drückte so stark zu, dass es schmerzte, dennoch blieb seine Stimme weiterhin ruhig. „Es hatte also keinen Grund gegeben. Und mir ist nicht entgangen, dass du von wir gesprochen hast. Wieso fühlt es sich dann dennoch so an, als würdest du mir die alleinige Schuld dafür geben, dass wir nicht längst wieder das A angebracht haben? Ich hätte anrufen sollen. Ich hätte reagieren sollen, bevor Thanos alles zerstört. Ich soll vergessen, dass Barnes meine Eltern getötet hat.“ Tony schüttelte den Kopf. Er trug schon genug Schuld mit sich, da würde er sich nicht noch künstlich welche aufladen lassen.

    Dass sie sein Beispiel mit dem Schach quasi gegen ihn verwendete, war abzusehen gewesen. „Das könnten wir jetzt ewig ausdiskutieren.“ Immerhin war der König auch der, der für sein Überleben alle anderen opferte. Der sich hinter denen versteckte, die gerade greifbar waren. Das wäre durchaus eine moralische Flexibilität. Aber soweit wollte er nicht gehen. Der Tag hatte genug gekostet, hatte genug zutage gebracht und vielleicht mehr kaputt gemacht, als gekittet.
    Mit Daumen und Zeigefinger strich Tony sich über die Augenlider, als würde das seinen Blick wieder klarer werden lassen. Dann sah er wieder zu Natasha. „Ich sage nicht, dass es nicht klappen kann, das Team wieder halbwegs funktional einsetzen zu können. Ich sage nur, dass ich Zweifel habe. Und dass ich nicht alles, was passiert ist, einfach zu den Akten legen kann.“ Nun legte sich doch ein fast schon verständnisvoller Ausdruck in seine Augen und auch seine Gesichtszüge wurden eine Spur weicher. „Ich weiß, das ist nicht das, was du hören willst, aber mehr kann ich dir im Moment nicht anbieten.“ Es war ein hissen der Friedensfahne, reichte aber noch nicht zum Reichen der Hand. „Tut mir leid.“ Und das tat es wirklich. Um nichts in der Welt würde er solche Worte als bloße Floskel nutzen.

    Eigentlich sollte es Tony nicht überraschen, dass Howard eine Art verstecktes Labor hatte. Das hier konnte nicht alles gewesen sein. Nicht, wenn er auch noch für S.H.I.E.L.D. tätig gewesen war. Die Bauzeichnungen zeigten weitere Räume hinter der gegenüberliegenden Wand, aber keine Tür war zu sehen. Aber es musste einen Weg hindurch geben. Einen, den sein Vater anscheinend gut getarnt hatte.
    Ein nicht schmerzhaftes, aber unangenehmes Pochen hinter seinen Schläfen, das so plötzlich aufkam, sorgte dafür, dass er kurz die Augen schloss. Vermutlich hatte er zu wenig getrunken heute. Oder dieser ganze Stress machte sich bemerkbar. Vielleicht sollte er auch einfach schlafen. „Irgendwo da muss eine …“ Tony deutete auf die gegenüberliegende Wand, die plötzlich aufbrach. Tosender Lärm flutete die Werkstatt und es dauerte einen Moment, bis Tony erkannte, was da auf die zukam. Ein walartiger Chitauri, wie er damals schon New York angegriffen hatte, kam direkt auf sie zu. „Runter.“ Er packte Natasha, riss sie hinter einen der Tische, um sie vor den Trümmern zu schützen. Als der Rauch sich lichtete, war da ein bläuliches Schimmern. Tony hob den Blick und sah direkt in die unendlichen Weiten des Alls. Sah, wie ein Chitauri nach dem anderen hindurchkam. Das Pochen in seinen Kopf wurde stärker, sein Puls raste. Verstand und Augen kämpften miteinander. Während sein Kopf sagte, dass das unmöglich war, sah er es doch so klar. So deutlich, wie eben schon seinen Vater. „Sag mir bitte, dass du das auch siehst.“ Oder lieber, dass Natasha das nicht sah.

    #1279

    Lini
    Administrator

    Sekunden verstrichen, schleppten sich mühsam voran. Dass Geduld nicht Tonys Stärke war, war jedem, der ihn kannte, bewusst. Dennoch wollte er Isaure nicht unterstellen, dass sie das in dem Moment ausreizte. Viel mehr schien es, als würde sie abwägen, was sie nun sagen sollte. Die vollständige Wahrheit wäre Tony natürlich am liebsten, aber er wäre auch schon dankbar für Bruchstücke, mit denen er zumindest arbeiten konnte, um nicht bei null anfangen zu müssen.
    Als Isaure schließlich das Wort ergriff, wirkte sie gefasster. Als hätte die Entscheidung, die sie für sich gefällt hatte, die Weichen endgültig gelegt. Ihr Blick war nicht mehr so trüb, stattdessen war da etwas anderes in dem Grün ihrer Iriden. Als wären ihre Emotionen sich nicht sicher, wer die Überhand gewinnen sollte. Mal wirkte es, als würde Unsicherheit wie ein Sturm durch ein dichtes Blätterdach rauschen. Dann wieder, als würde Hoffnung aufglimmen, die Wolken vertreiben und das Grün erhellen.

    Die Forderung, die Isaure stellte, mochte im ersten Moment nicht nach einer großen Herausforderung klingen. Medikamente für ein paar Informationen. Das Problem war, dass niemand in der heutigen Zeit langfristig planen konnte. Von allem war viel zu wenig da, auch von Medikamenten. Und vor allem von deren Herstellern. Es könnte sein, dass er eine Quelle finden würde, denn eines war klar: Legal könnte er sie nicht beziehen.
    Diesmal war es Tony, der nachdenken musste. Er schob die Hände in seine Hosentasche und drehte den Kopf einen Moment weg, fixierte einen imaginären Punkt, während er versuchte, das wilde Rattern in seinem Kopf in den Griff zu bekommen. Aber egal, wohin seine Gedanken liefen, sie kamen alle zu einem Entschluss: Das hier war kein Spiel und Tony würde sich nicht zu einer Spielfigur machen lassen.
    Sein Blick ging wieder zu Dumont zurück, zu einem befriedigenden Ergebnis war er allerdings nicht gekommen. „Das kann ich dir nicht versprechen“, gab er offen zu. „Ich weiß nicht, was du für Medikamente brauchst. Was ich aber weiß ist, dass es von Tag zu Tag schwerer sein wird, welche zu beschaffen.“ Tony könnte lügen, um an sein Ziel zu kommen. Isaure versprechen, sie ausreichend zu versorgen, aber er mochte vieles sein, ein Lügner war er nicht. Er hatte einen Namen, er wusste um die Verbindung. Wahrscheinlich würde er auf kurz oder lang herausfinden, wer dahintersteckte. „Nicht nur für mich, auch für alle anderen. Also auch für deinen Geldgeber, wenn er nicht gerade an der Herstellung oder der Herausgabe beteiligt ist.“ Das sollte Dumont bedenken. Mochte ja sein, dass dieser ominöse Geldgeber ihr das Versprechen gegeben hatte, sie zu versorgen, aber konnte sie wirklich langfristig darauf vertrauen? Tony suchte Isaures Blick, kam ihr einen Schritt näher, sodass nur noch wenige Zentimeter sie voneinander trennten. Die Anspannung war fast schon greifbar. „Du sagst selbst, dass ein Unwissender nicht damit experimentieren sollte“, erinnerte er sie. „Du kannst mir den Namen geben und ich versuche, was in meiner Macht steht, um dich zu unterstützen. Oder du hältst an den Versprechen deines Geldgebers fest und ich werde trotzdem herausfinden, wer dahintersteckt.“ Aber dann brauchte sie nicht weiter auf seine Hilfe zu hoffen. Es lag an ihr, wem sie mehr vertraute.

    #1274

    Lini
    Administrator

    Der Nebel aus Wut, Verzweiflung und Vorhaltungen lichtete sich leicht, gab wieder einen freieren Blick auf die eigentlichen Probleme. In erster Linie war das wohl Steve zu verdanken. Er hatte die Zügel in die Hand genommen und den Fokus auf das gelegt, weswegen sie eigentlich zusammengekommen waren und nutzte die Gelegenheit auch gleich, um Aufgaben zu verteilen. Er zählte auf, welche Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme es gab und wer noch verblieben war. Die Liste war verdammt kurz. Tony wusste nicht mal, wie es in Wakanda gerade aussah, wo König und Prinzessin verschwunden waren. Wer da aktuell die Macht innehatte. Mit Nebula hatte er in Kontakt gestanden und sie hatte ihm unmissverständlich klargemacht, dass Rocket und sie sich um das All kümmern würden. Und die Zauberer? Nun, der Oberguru war vor Tonys Augen zu Staub zerfallen und offenbar hatte Wong jetzt den Platz übernommen. Was Tony durch den Kopf schwirrte, sprach Natasha offen aus. Nüchtern, ohne erkennbare Emotionen, so wie man sie für gewöhnlich kannte. Dass sie das nicht so kalt ließ, wie sie sich gerade gab, war nach ihrem Ausbruch umso deutlicher geworden. Da nützte es auch nichts, jetzt wieder die große Strategin zu mimen. Und vor allem alle Ansätze direkt wieder niederzuwalzen. Als wären Steves Vorschläge die Ameisen und Natasha der Stiefel. „Dein Optimismus in allen Ehren“, wandte Tony sich sarkastisch an sie, „aber vielleicht warten die ganzen Partypeople ja auch nur auf Einladungskarten von uns.“ Aktuell schien niemand die Strippen in die Hand nehmen zu wollen. Alle schienen auf sich selbst fixiert, kämpften an ihren Fronten. Man könnte versuchen, Allianzen zu schaffen, nur war eben die Frage, inwiefern man denen trauen konnte. Ob sie Verbündete wurden oder zu Feinden mutierten. Da galt es, ein Auge drauf zu haben. Sein Blick wanderte zu Steve. „Und danke für die Blumen, aber es scheint, als würde sich das Steinproblem überall ausweiten. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis die anderen auch dahinterkommen. Und dann hoffen wir mal, dass die nicht so schlau sind, neue Steine zu formen.“ Es sei denn, sie planten natürlich Thanos’ Vergehen rückgängig zu machen. Aber wenn noch so ein Irrer von der Macht profitieren würde, wäre das wohl das Ende aller Tage.

    Die Erklärung zu dem Stromjungen gab Steve schließlich. Roxxon war also das Ziel gewesen, wenngleich sich das nicht ganz erschloss. Aber offenbar waren das alles Halbstarke, die dachte, Energie kommt direkt aus dem Konzernhaus. Vermutlich dachten sie auch, Wasser käme direkt aus der Leitung. „Also erstmal solltest du die Spitznamenvergabe sein lassen. Stromjunge. Das ist, als würde man dich Schildmann nennen. Und zum anderen ist fraglich, wenn er seine Mitstreiter nicht umgebracht hat, wer es dann war. Er könnte dennoch der Mörder sein. Fünf gehen rein, vier kommen nicht mehr raus.“ Tony hatte keine Ahnung, wie viele da wirklich umgekommen waren, aber es ging darum, dass nur einer überlebt hatte. „Klingt für mich nicht nach dem Unschuldslamm.“ Dabei ging sein Blick zu Banner. „Also solltest du vielleicht doch an der böser Bulle-Nummer arbeiten.“ Bruce mal in dieser Rolle zu erleben, würde sich sogar Tony angucken, aber aktuell sah er eher noch eingeigelter aus, als sonst schon.

    Gespielt hellte Tonys Miene auf, als hätte Natasha ihm die zündende Idee gegeben. „Ah warte. Klar, Zugriffsprotokolle. Hätte ich auch selbst drauf kommen können.“ Seine Gesichtszüge änderten sich. Natürlich hatte er das schon, aber weder die Kameraaufzeichnungen brachten Aufschluss über den Täter, noch die Zugangskarte, die gestohlen worden war. „Ja und nein. Die Forschungsergebnisse waren nicht derart verschlüsselt, dass man nicht rankäme. Sie sind … quasi nutzlos ohne Dumont, weswegen mir nicht erschließt, wer sich was davon verspricht. Es macht eher den Anschein, als wollte jemand nicht, dass wir auch nur auf die Idee kommen würden, weiter daran zu forschen.“ Oder jemand verfügte über ähnliche Kräfte wie Dumont, aber das war eher unwahrscheinlich. Eher glaubte Tony, dass Isaure selbst damit in Verbindung stand, warum auch immer. Aber das würde er schon noch rausfinden.

    Natashas Worte an Bruce waren vermutlich gar nicht so dumm. Wenn auf den Grünen aktuell keinen Verlass war, sollte Bruce sich zumindest anders verteidigen können. Er konnte sich nicht ewig irgendwo verschanzen. Dennoch schien er mehr Interesse an den Steinen zu haben. Natürlich. Das war eher sein Gebiet und wenn jemand mit den Daten, die Tony bereits zusammengetragen hatte, etwas anfangen konnte, dann Banner.
    „Das war doch ein sehr produktives Treffen“, entgegnete Tony auf Natashas’ Abschlussworte, trank seinen Kaffee leer und stand auf. „Das sollten wir unbedingt wiederholen.“ Im Vorbeigehen klopfte er Banner auf die Schulter. „Du schlägst dich großartig.“ In Anbetracht der Situation zumindest. Immerhin hatte Banner das gesamte Drama maximal aus Erzählungen erfahren und war vermutlich der, der am ehesten zwischen den Stühlen stand. Tony steuerte die Tür an, ohne sich nochmal umzudrehen. „Ich kümmere mich dann mal um unsere Umzugspläne.“ Damit verschwand er aus dem Wohnbereich, ging zur Küche und stellte die klebrige Tasse in den Geschirrspüler. Erst dann stemmte Tony sich mit beiden Händen gegen die Arbeitsfläche, beugte den Rücken, senkte den Kopf und schloss die Augen, ehe er ein paar Mal tief durchatmete. All das Gesagte hallte in ihm wider, als wäre es ein endloses Echo, mischte sich unter die Selbstzweifel, die Wut und Frustration und ließ sie umso präsenter erscheinen. Als fungierten sie wie ein Verstärker.

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