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Mai 5, 2026 um 12:11 p.m. Uhr #1351
KamelAdministratorGut, dachte Isaure, wenn das das kleinste Problem war… denn das, was wiederum Tony als Schwierigkeiten benannte, nun, das sah sie so mittel schwierig. Nein, der grösste Unsicherheitsfaktor war in ihren Augen immer noch das Thema Verbreitung. Was taten sie, wenn diese Pflanze alles andere überwucherte? Oder aber, wenn irgendein Insekt sie unglaublich gerne mochte? Das wäre zwar die bessere Variante, dachte sie dann. Vielleicht sollte sie eine Pflanze einkreuzen, welche auf dem Speiseplan aller möglichen Tiere stand. Es war sicherer, sie schützen zu müssen, anstatt zu verhindern, dass sie sich verbreitete.
“Tatsächlich würde ich über vertikale Plantagen nachdenken. Die Pflanze braucht viel Wärme. Wenn wir sie an die Südseiten von Gebäuden anbringen, dann würden sie mit Regenwasser gegossen, und zwar an einer Stelle, wo es sowieso nicht gesammelt werden kann, sie bekäme relativ viel Sonne und die Wärme, die sich in den Häuserschluchten von Städten hält, wäre ebenfalls positiv. Ausserhalb, auf dem Land, ist es wiederum einfach, an Wasser und Platz zu kommen.”
Sicher, um die Pflanzen heranzuziehen, brauchte man natürlich immer noch geschützten Raum und Wasser, aber das wiederum konnte in einem ländlichen Bereich stattfinden. Die Idee, es einfach in der Facility auszuprobieren, war aber so oder so eine Gute.
“Wir müssten ein Gewächshaus bauen, zumindest ein Kleines, um zu verhindern, dass die Neophyten sich verbreiten, bevor ich nicht sicher bin, dass sie keine Gefahr für Flora und Fauna darstellen. Aber dann… ich meine, die Version hier, die funktioniert. Der Strom in meinem Haus und hier im Gewächshaus kommt fast komplett aus den Pflanzen. Tagsüber lade ich eine Autobatterie. Damit läuft nachts natürlich kein Backofen, aber das ist ja auch nicht nötig.”, spinnte sie das Konzept also weiter. Sicher, normalerweise war so etwas… langwieriger und mit viel mehr Vorsicht belegt, allerdings brauchten sie Energie, und das schnell. Der Winter war eine Gefahr, die sich nicht von der Hand weisen liess. Wenn nicht Menschen erfrieren sollten, dann mussten sie etwas wagen.
April 27, 2026 um 6:24 p.m. Uhr #1346
KamelAdministratorJa, was meinte sie damit? Ein Teil von ihr wollte einfach sagen, dass er den Deal gebrochen hatte, denn das hatte er. Klar, er hatte nicht erwartet, dass sie auch Geld an Chitauri-Sachen verdiente, aber sie hatte ihm ursprünglich angeboten, es ihm direkt zu verkaufen. Das hatte er nicht gewollt, sondern lieber für die Infos bezahlt. Ihr war es egal. Nein, Zurückhaltung hatte Marrow auf dieser Ebene nicht. Dass sie nicht einfach direkt antwortete, lag vielmehr daran, dass sie es sich nicht leisten konnte, ihn noch mehr zu verprellen. Iron Man konnte ihr Sachen beschaffen, die sonst keiner hatte. Notfalls stellte er sie einfach her. Die Turbinen… Sie versuchten jetzt, sie im richtigen Format zu drucken, aber das würde nur eine Notlösung sein, wenn es denn überhaupt gelang.
“Er findet, ich hätte ihn hintergangen.”, antwortete sie darum. Das war wohl ebenfalls wahr und letztendlich war es egal. Es ging nicht darum. Es ging darum, dass die Avengers in Gefahr waren, in ernsthafter, grosser Gefahr, und wenn einer von ihnen grundlegend schon nicht glaubte, dass diese Gefahr wirklich bestand, dann wäre das ein Problem. “Darum wird er meiner Warnung wohl nicht glauben.”
Sie zuckte mit den Schultern, ehe sie weitersprach, das Thema einfach beiseite schiebend. Ja, sie hätte gerne darüber gesprochen, irgendwie. Sie hätte sich gerne ausgekotzt, zugegeben, dass sie Angst gehabt hatte, noch immer Angst hatte, denn sie war keine Gegnerin für jemanden wie Stark. Sie schwamm im Haifischbecken und war eher so was wie eine kleine Forelle. Wenn jemand sie loswerden würde, dann würde derjenige es einfach tun, und sie, sie konnte nicht rücksichtslos kämpfen, weil sie ihre Familie hatte. Kurz wurde Marrows Gesichtsausdruck noch härter. Nun, sie würde es schon schaffen. Gerade war wichtig, dass Nat nichts zustiess.
“Und glaub mir, ich will nicht gegen Sabretooth antreten. Wir kennen uns schon lange. Ich bin nichts gegen ihn. Aber noch weniger will ich dich verlieren, und darum werde ich dich unterstützen. Dass du es allein hinbekommst, glaube ich nicht. Du bist sicher stark, sehr stark, aber Sabretooth…”
Sabretooth war Sabretooth.
“Ich kann dir nicht einmal anbieten, dich bei uns zu verbergen, wenn es nötig ist. Sabretooth kennt mindestens einen Weg in die Tiefe.”
Von damals. Routiniert drängte Marrow die Bilder und die Schreie in ihren Ohren beiseite. Auch dafür durfte kein Platz sein.
April 22, 2026 um 7:23 p.m. Uhr #1343
KamelAdministratorMarrow verstand Natasha, ohne sie anzuschauen. Sie kannten sich jetzt schon lange Jahre und hatten gegenseitig Hochs und Tiefs erlebt. Sie waren beide älter, als es den Anschein hatte, und wussten ebenso beide, dass sie noch viele Jahre erleben würden. Marrow aller Wahrscheinlichkeit nach sogar noch viele mehr als Nat, denn die konnte getötet werden. So, wie sie lebte, würde das früher oder später wohl auch passieren. Und nun, nun hörte die Mutantin die Müdigkeit in der Stimme der Freundin und verstand.
Sicher, vielleicht irrte sie. Vielleicht kam Sabretooth gar nicht, vielleicht würde er nicht erst Natasha aufzustöbern versuchen, aber wahrscheinlich… ach, Marrow kannte auch Sabretooth schon viel zu lang. Seit er damals die Morlocks gemeinsam mit den Marauders massakriert hatte, hatte sie immer wieder auf die eine oder andere Art mit ihm zu tun gehabt. Leider glaubte sie darum an ihre Einschätzung, wie er vorgehen würde. Leider, leider.
Als Nat dann bemerkte, Tony würde wohl gar nicht auf sie hören, blickte Marrow aus ihren düsteren Gedanken gerissen auf. Oh. Sie selbst hätte ja wohl beide auf einmal gewarnt, wenn sie nicht das Gefühl gehabt hätte, Iron Man würde ihr nicht mehr trauen. Das war nun natürlich doppelt ein Problem.
“Hm. Wenn ich dir rate, ihm besser nicht zu sagen, dass du das von mir hast, wird’s nicht einfacher, oder?”, kommentierte sie dann trocken. Nein, wenn es offenbar gerade ein internes Problem gab, wurde das sicher nicht besser dadurch, dass Nat nicht damit rausrückte, wer die Quelle ihrer Information war. Alles nur wegen diesem verdammten Chitauri-Kram.
“Ich helfe dir aber, wenn du kein Team hast.”, fügte sie dann an, ehe sie die Zähne zusammenbiss. Oh, Marrow wusste genau, was sie sagte. Aber trotzdem, sie würde Nat helfen. Auch gegen Sabretooth. Egal, gegen wen. Es war nicht ihre Art, die wenigen, die sie liebte, im Stich zu lassen, jetzt, da so viele Morlocks in der Dunkelheit waren, umso mehr. Sie mussten aufeinander aufpassen.
April 16, 2026 um 8:08 a.m. Uhr #1339
KamelAdministratorNein, offenbar traute er sich nicht, und das war das einzige, bei dem ihm niemand helfen konnte. Isaure zuckte also mit den Schultern und beliess es dabei. Sicher, es war schade für den Jungen, aber sie würde nicht ihre Energie auf jemanden aufwenden, der sich nicht selbst bewegen wollte. Ob diese Lethargie nun selbstverschuldet war oder nicht, war für sie nicht relevant, denn die Tatsache war, sie war nun einmal präsent und offenbar beherrschend. Menschen waren schon faszinierende Kreaturen. Lieber blieben sie in bekanntem Leid als das Risiko auf sich zu nehmen, die Situation zu verändern.
Isaure ergriff die Schaufel und begann, den nächsten Sack zu füllen, übergab das Werkzeug aber natürlich wieder an den Teenager, als er wiederkam. Der war definitiv kräftiger als sie und wenn er diesen Teil übernahm, ging es deutlich schneller. Isaure sprach nicht mehr, sondern verlor sich in ihren Gedanken während der Arbeit, sich nicht darum kümmernd, ob die Stille ihrem Helfer vielleicht unangenehm war. Er hatte deutlich gemacht, dass er nicht ihr Problem war, und Isaure hatte keinerlei Schwierigkeiten, das zu akzeptieren. Sack um Sack füllten sie mit Erde, bis der Haufen so klein geworden war, dass die Reste einfach mit dem Besen zu verbreiten war.
“Das war’s, Junge.”, kommentierte sie dann und deutete auf einen Gartenschlauch, der an einem Baum befestigt war als improvisierter Wasserhahn. Er war an die Regenwasserzisterne angeschlossen. Der Druck war damit natürlich nur so mässig, aber vorhanden. “Wenn du willst, kannst du dich da bei dem Schlauch waschen und deine Flasche auffüllen, das ist gefiltertes Regenwasser. Sei aber bitte sparsam. Und vergiss deine Sachen nicht, wenn du gehst.”
Weder Obst und Gemüse noch die Drohne. Ja, Wachhunde würden eine gute Sache sein, eindeutig. Kurz war sie verleitet, ihm zu sagen, es gäbe hier eigentlich immer Arbeit, aber dann entschied sie sich dagegen. Sie hatte ihm Hilfe angeboten, er hatte sie nicht gewollt.
April 10, 2026 um 6:54 p.m. Uhr #1334
KamelAdministratorJa, Thorne versprach sich viel von ihr und ihrer Forschung, das war Isaure bewusst, doch was gab es dazu noch zu sagen? Ihre Abhängigkeit war klar. Solange Tony sie davon schützte, indem er seine eigenen Kontakte und Ressourcen anzapfte, um ihr die Medikamente zu beschaffen, konnte sie frei agieren, aber vielleicht war es nur eine Frage der Zeit. Nein, falsch, es war sowieso nur eine Frage der Zeit, bis es das nicht mehr gab. Die Pharmakonzerne mussten viel wichtigere Dinge herstellen mit den begrenzten Ressourcen, die blieben. Antibiotika. Desinfektionsmittel. Analgetika. Wahrscheinlich auch Antidepressiva. Aber Schizophrenie war nicht so häufig. Nicht häufig genug.
“Denkbar ist es.”, antwortete Isaure auf Tonys Frage. Möglicherweise konnte sie die Pflanzen kreuzen. “Ich habe bisher nie darüber nachgedacht, weil das immer mit sich bringt, dass die Effizienz sinkt. Diese Pflanze hier ist ausschliesslich auf Energiegewinn gezüchtet. Riesige Blätter und sonst nichts auf dem Kasten. Kreuze ich sie, wird sie wahrscheinlich komplexer. Aber eigentlich wäre das egal. Zwei solche Pflanzen versorgen einen Haushalt, wenn man sparsam ist, auch mehr.”
Zumindest, wenn man mit den üblichen zehn Kilowattstunden rechnete – und eine Speichereinheit hatte, um über die Nacht zu kommen, aber das brauchte sie einem Tony Stark ja wohl nicht zu erkären.
“Sagen wir, das Einkreuzen funktioniert und die Pflanze wird damit ohne meine Fähigkeiten reproduzierbar, stelle ich als Hypothese mal die halbe Leistung in den Raum. Zwei Folgeprobleme entstehen daraus: Eines ist, dass wir nicht wüssten, wie gut sich die Pflanze vermehrt und wie die Flora auf den Neophyt reagiert. Und das andere… wie erzeugen wir genug Energiekupplungen, um eine ganze Plantage zu vernetzen? Ich habe noch vielleicht vierzig Stück. Ohne Massenproduktion nützt das alles nichts.”
In Anbetracht dessen, dass Tony die netzartigen Verbindungselemente entwickelt hatte, was das eher sein Metier. Sicher, sie hatte schon darüber nachgedacht, ob man sie nicht vielleicht im 3D-Drucker produzieren könnte, aber um dafür Pläne zu konstruieren, wusste sie weit zu wenig.
April 10, 2026 um 5:20 p.m. Uhr #1333
KamelAdministrator“Nicht alle machen das so.”, erwiderte Marrow mit einem Schulterzucken. “Ich bin schon ein paar Mal runtergefallen.”
Mit der Zeit aber war sie besser geworden, hatte gelernt, welche Bahnen man besser ausliess und welche Modelle besonders gut taugten. Je moderner, desto schwieriger, aber im Untergrund von New York waren noch sehr, sehr viele altmodische Wagen unterwegs. Ein Rattern und rauschen war zu hören, und einen Moment später konnten sie im nur notdürftig beleuchteten Metro-Bahnhof sehen, wie ein Zug einfuhr. Eine grosse, rote Eins was vorn zu sehen. Zahlen konnte Marrow weit besser lesen als Buchstaben, aber das war auch viel einfacher, wie sie fand.
“Wenn ich nicht so vollgesaut bin, fahre ich auch einfach drinnen mit.”
Sie grinste ein wenig. Klar, die Kontrolleure waren durchaus auch mal im Weg, aber wenn man sie mit genug Gewaltandrohung von sich fernhielt, dann klappte es meistens doch ganz gut, dass man in der nächsten Station abhauen und in den Tunnel flüchten konnte. Damit rechnete eigentlich fast keiner.
Es war erstaunlich ruhig. Anders als früher waren es nicht mehr unzählige Stimmen und Schritte, die in den Tunnel hallten. Es waren gar nicht so viele Leute unterwegs. Einerseits, weil es viel weniger waren, andererseits, weil es einfach kaum mehr Menschen gab, die zu ihrem Vergnügen irgendwo hin unterwegs waren. Sie fuhren zur Arbeit und wieder zurück, oder zur Ausgabestelle von Nahrungsmitteln. Früher oder später würde es gefährlich werden, das zu tun, dann, wenn diejenigen, die sich nicht ausweisen konnten, nichts mehr hatten. Sie hatte versucht, Iron Man zu warnen, aber… nun ja.
“Bald wird es gefährlich sein, in der U-Bahn zu fahren. Nur die Leute, die sich ausweisen können, bekommen Lebensmittel zugeteilt. Dann wird für die Menschen ohne Papiere die einzige Möglichkeit, zu überleben, die anderen zu bestehlen, wenn sie ihre Ressourcen abholen.”
Die Türen schlossen sich – dann gingen die Lichter der Bahn aus. Das passierte öfter. Die Spannung war nicht stabil. Marrow lehnte sich an die Wand. “Die läuft gleich wieder.”, kommentierte sie in aller Ruhe.
April 5, 2026 um 12:38 p.m. Uhr #1325
KamelAdministratorWenn sie doch nur einen perfekten Plan gehabt hätte, dachte Marrow. Aber Sabretooth… Sabretooth war wie sie, irgendwie. Oder sie wie er. Sie waren nur sehr, sehr schwer zu töten. Allerdings war er viel stärker, unendlich viel stärker. Nur schon der Gedanke, sich mit ihm anlegen zu müssen, versetzte sie in Angst. Doch sie riss sich zusammen und dachte über die Dinge nach, die Nat gesagt hatte. Ja, die Uneinigkeit war für sie persönlich durchaus auch ein Vorteil, denn wenn das Raubtier einfach einen Alleingang machte, dann wurde es sehr schnell sehr gefährlich. Der Vorteil war, dass er Nat sicher öffentlichkeitswirksam würde zerlegen wollen und darum nicht einfach auf Distanz niederschiessen konnte. Dass der Hulk nicht in Form war, war natürlich ein Problem, denn er hätte sich wahrscheinlich als einer der wenigen mit Sabretooth messen und ihn zerschlagen können. Nicht töten, aber… nun, ob das überhaupt möglich war, stand in den Sternen.
“Also…”, begann sie dann, brach aber wieder ab. Also, ja, also, was? Was sollte sie sagen? Es kamen ihr schon Gedanken zu dem Thema, aber sie hatte trotzdem Schiss. Was, wenn Sabretooth davon hörte, dass sie mit Nat gesprochen und sie gewarnt hatte? Was, wenn das irgendwie rauskam? Sabretooth würde sie töten. Wieder und wieder und wieder. Ganz langsam. Nur dass sie eben nicht sterben würde. Also Marrow weitersprach, was ihre Stimme deutlich leiser, damit ganz sicher niemand sie hören konnte ausser ihre langjährige Freundin.
“Sabretooth’ Körper heilt noch schneller als meiner, glaube ich. Und wenn du mich aufhalten willst… dann musst du die mechanischen Strukturen zerstören. Auch ich kann mit einem gebrochenen Knie nicht laufen. Und ohne Augen nicht sehen. Vor allem aber muss ich auch atmen. Ich kann lange unter Wasser bleiben, sehr lange, aber irgendwann ist Schluss damit. Ich würde versuchen, ihn zu ertränken. Oder in Beton einzugiessen und dann im Meer zu versenken. Vielleicht stirbt er dann sogar irgendwann.”
Sie kratzte mit den Zähnen über die Unterlippe.
“Oder du lenkst seine Aufmerksamkeit auf ein anderes Ziel. Aber ich denke, das ist im Moment noch schwieriger, als ihn umzuhauen.”
Und wenn sie es versuchte, es nicht schaffe und Sabretooth Fragen stellte… Marrow schluckte. Natürlich würde Nat sie nicht verraten, niemals. Zumindest nicht freiwillig. Aber da war auch noch White Queen. Es musste unbedingt klappen, ohne, dass sie involviert wurde.
April 5, 2026 um 10:50 a.m. Uhr #1324
KamelAdministratorBeinahe war Isaure erstaunt, dass der Junge nicht einfach floh. Stattdessen schaufelte er weiter und füllte den nächsten Sack. Als er sich dann einen vollen griff, nahm sich die Wissenschaftlerin den anderen und führte ähMatteo zu dem Schuppen, in welchem sie die Erde lagerte. Beide stellten ihre Last in die Ecke.
“Hoffnung macht nicht satt.”, antwortete Isaure mit einem Schulterzucken. Hoffnung war ein Ausdruck von Hilflosigkeit, davon, ausgeliefert zu sein und nichts anderes mehr tun zu können, als zu hoffen. Hoffnung entstand daraus, keine Handlungsmöglichkeit mehr zu haben. Die schmale Frau richtete ihre Schritte wieder in Richtung des abzutragenden Erdhaufens.
“Zu hoffen ist eine sehr ineffiziente Art und Weise, ein Problem lösen zu wollen. Nie zuvor war es so einfach, die eigene Position zu verlassen. Vor einem Jahr hätte ich dir zugestimmt, dass es für jemanden wie dich sehr schwierig ist, ein hochgestecktes Ziel zu erreichen, aber jetzt…”
Sie nahm sich wieder einen Sack, schüttelte ihn auf und hielt ihn dann hin, damit ihr junger Helfer anfangen konnte, ihn voll zu schaufeln.
“Der Betrieb an den Hochschulen und Universitäten ist reduziert, weil viele Professoren fehlen, aber es ist eine Frage der Zeit, bis das wieder gut strukturiert ist. Da du sowieso erst einmal einen Bildungsnachweis erbringen müsstest, ist das allerdings egal. Wenn du wirklich etwas anderes willst, als mit Drohnen Gärten auszuspionieren und Gemüse zu klauen, hätte ich schon ein paar Ideen für dich.”
Falls er sich denn traute. Das war wahrscheinlich ein zentraler Teil des Problems. Traute sich der Junge, etwas erreichen zu wollen? Sicher war sie sich da nicht. Möglich, dass er zwar klug war und grosse Sprüche klopfen, aber nicht an seinen Fähigkeiten arbeiten konnte, weil er sich gewöhnt war, dass er auch mit wenig Aufwand ans Ziel kam.
März 30, 2026 um 4:22 p.m. Uhr #1311
KamelAdministratorDen Kopf etwas hin- und her wiegend als Antwort darauf, ob sie es geschafft hatte, liess es sich Isaure nicht nehmen, Tony noch kurz anzuschauen. Die meisten Genies, die sie kennengelernt hatte, legten deutlich weniger Fokus auf die Form als er. Da lohnte es sich schon. “So halb.”, erwiderte sie dann. “Und sicher… Aber ich dusche erst. Dauert nicht lange.”
Kurz sammelte sie ihre Klamotten ein und verliess dann das Zimmer, während sie noch anfügte: “Unten steht eine Kaffeemaschine.” Falls er einen Kaffee wollte. Wenn nicht, nun, dann war es ihr auch recht. Isaure betrat ihr Schlafzimmer, klaubte saubere Kleidung aus dem Schrank und ging dann durch die Verbindungstür direkt in ihr grosszügiges Bad. Einen Moment später rauschte das Wasser, aber nur einige wenige Minuten lang. Isaure tendierte nicht dazu, lang zu duschen. Der Durchlauferhitzer, den sie mit ihrem Privatstrom vertrieb, war zwar zuverlässig, aber Wasser war auch so ein wertvolles Gut, das nicht verschwendet gehörte. Entsprechend dauerte es keine zehn Minuten, ehe sie die Treppe hinunterstieg und Tony wieder aufsammelte.
“Hier lang.”, kommentierte sie und führte ihn wenig erstaunlich wieder hinaus in den Garten und dort zum Gewächshaus. Über dem Eingang stand auf einer kleinen Plattform eine unscheinbare Pflanze – für jemanden, der wusste, dass die grossen Blätter zu dem Gewächs gehörte, das Isaure gezüchtet hatte, eindeutig zu erkennen. Einen Moment lang berührte Isa den Venenscanner und gleich darauf ging die Schiebetür auf. Damit standen sie erst einmal in einem ganz normalen Gewächshaus. Es war warm und etwas feucht, aber Isaure hielt sich nicht auf. Stattdessen durchschritt sie den Bereich und erreichte gleich darauf einen modernen Einbau. Einen Moment später befanden sie sich in einem Labor.
Der Raum war hell und mittelgross, die Decke komplett verglast, so dass das Tageslicht hereinfiel und es standen eine Reihe von Geräten an den Wänden, während sich in der Mitte ein Arbeitstisch befand. Darauf lag eine Version des Energienetzes, mit welcher Isaure den Pflanzen den Strom abzapfte, ausserdem in einem Setzkasten eine Reihe von kleinen Pflanzenzwiebeln. Am Auffälligsten aber war eine Art Miniatur-Treibhaus, ein Glaskasten, in welchem eine Pflanze wuchs, welche der beim Eingang ähnlich schaute, sah man davon ab, dass sie tatsächlich eine kleine, weisse Blüte getrieben hatte. Nur leider, dachte Isaure, war es einfach nur eine weibliche Pflanze. Ohne passenden Partner würde das nichts werden. Gar rein nichts. Wobei…
“Es fehlt eine männliche Pflanze.”, kommentierte sie. “Aber gerade eben kam mir der Gedanke, dass das vielleicht egal ist. Ich habe bisher immer darüber nachgedacht, Variationen zu züchten, aber… vielleicht braucht sie einfach auch nur etwas Entspannungssex.”
Isaure grinste. Es sprach überhaupt nichts dagegen den Versuch zu wagen, sie mit anderen Pflanzen zu verpaaren. Sie brauchte ja nicht die perfekten Nachkommen, bloss welche, die mehr Energie generierten als sie verbrauchten.
März 30, 2026 um 1:13 p.m. Uhr #1308
KamelAdministratorZweifelnd blickte Marrow Nat an. Also, ja, klar, die Avengers waren sicher auch ne heftige Truppe, das stand gar nicht zur Debatte, aber so ganz schien sie auch nicht zu glauben, was sie da sagte. Sie kannten sich schon viel zu lange, als dass die Mutantin die Anspannung in der Stimme der Freundin nicht gehört hätte.
“Sabretooth ist gern der Boss.”, kommentierte Marrow. “Aber ich glaube, sie wollen vor allem der Welt zeigen, dass sie krasser sind als ihr. Ihr seid eine stabile Grösse und gehört zu den Leuten, mit denen man sich nicht anlegt. Stampfen sie euch in den Boden…”
Sie zuckte mit den Schultern. Wenn das geschah, dann war auch dem Hintersten und Letzten klar, wer das Sagen hatte. Sicher nicht der Staat – und jemanden, der diesen Staat und die einfachen Leute schützen konnte, gab es dann auch nicht mehr so wirklich. Sie löste sich von dem Bild, wandte sich lieber den konkreteren Fragen zu.
“Ich denke… ich denke, Sabretooth würde es zuerst bei dir versuchen. Er ist ein Chauvinist. Wenn er dich kriegt, dann hat er schon mal auf der Ebene seines Weltbilds die Männer deines Teams besiegt. Aber White Queen steht auf Luxus. So, wie ich SIE einschätze, wäre ihr erstes Ziel eher Iron Man.”
Dass sie die Facility angriffen, hielt Marrow für sehr unwahrscheinlich. Es wäre dumm gewesen, sehr dumm sogar. Leider war Sabretooth viel, aber nicht dumm. Scheisse, sie hatte solche Angst vor diesem Mann, dass es sie selbst jetzt, auf diesem wunderbaren, so gut gelegenen Platz fast zerriss.
“Sie werden sich nicht einig sein. Das könnte euch helfen.”, fuhr sie stur fort. Der Stress war ihr anzuhören und die Art, wie sie, als sie zu Ende gesprochen hatte, die Lippen zusammenpresste, machte es auch noch einmal deutlicher. Immerhin gelang es ihr, sich nicht andauernd umzuschauen.
März 30, 2026 um 12:20 p.m. Uhr #1307
KamelAdministratorSoso, dachte Isaure. Nein, wahrscheinlich wollte die MIT wirklich keine Person mit einem so ungeduldigen Charakter. Da stand er, hatte gerade Lohn bekommen und arbeitete und tat so, als wäre Kriminalität die einzige Lösung für sein Leben. Und obendrein jammerte er dann auch noch, dass man an der Massachusetts keine Schulabbrecher nahm und dass man schauen musste, wie man durchkam. Was für ein massloser Unsinn. Überall gab es Arbeit, denn das war ja das zentrale Problem der Infrastruktur. Es gab zu wenige Arbeitskräfte und auch keine Aussicht auf Nachschub an Fachleuten.
“Oh je.”, kommentierte Isaure. “Du weisst schon, dass du Schwachsinn redest? Lern halt, was du brauchst, und dann mach den GED. Dann siehst du ja, wer Stipendien bekommt und wer nicht. Geld ist mehr als genug in den Töpfen. Bloss die Leute fehlen.”
Sie öffnete den nächsten Sack und positionierte ihn neben dem ersten. Falls der Junge die Fliege machte, bevor er sie ins Gewächshaus gebracht hatte, wollte sie lieber nur 30-kg pro Sack füllen, die bekam sie auch selber auf die Sackkarre. Für die 40-er brauchte sie den Nachbarn, und den hatte sie nicht so gerne hier drin. Früher hatten die Jugendlichen aus der Nachbarschaft sich hier immer ein paar Dollar verdient, wenn es mal wieder so weit gewesen war, aber jetzt musste sie vorsichtiger damit sein, wen sie rein liess und wen nicht.
“Arbeit, um über die Runden zu kommen, gibt’s mehr als genug. Ungelernte Arbeit.”
Säcke schleppen zum Beispiel, dachte sie ein wenig zynisch, aber leider stand die Klugheit des Jungen in keinem Verhältnis zu seiner Resilienz bezüglich unangenehmen Situationen. Aber auch unabhängig davon: Aufräumarbeiten, Pflege… zum Fahren war er wohl noch zu jung, aber nur schon in den Bereichen würde man ihn zuschütten.
März 30, 2026 um 12:05 p.m. Uhr #1306
KamelAdministratorJa, dann sollten sie die Zeit nutzen. Zugegeben, Isaure hatte nicht daran gedacht, ihren Ex-Boss zu küssen, aber sie fand die Idee auch nicht schlecht. Irgendwo musste man ja anfangen. Warum also nicht mit intensivem Sex?
Im Leben war Isaure nicht so dumm, ihre skurrile Beziehung mit Liebe zu verwechseln. Auch nicht, als sie mit trocknendem Schweiss auf der Haut in ihrem Bett lag, Tony noch neben sich. Nein, diese Entwicklung war dem puren Überdruck geschuldet, war im wahrsten Sinne des Wortes eine Explosion gewesen und Isaure spürte den Effekt deutlich. Die angestaute Energie hatte sich gelöst und für den Moment fühlte sie sich entspannt. Sie hatte Tony ins Gästezimmer mitgenommen. Dort stand auch ein bequemes, grosses Bett, und in ihrem eigenen wollte sie keine fremden Leute haben. Ihm war es sicher egal. Er hatte sowieso nicht viel Augen für etwas anderes gehabt als für sie. Nun jedoch blickten sie beide durch die grosse Fensterfront in den Garten hinunter.
“Durchaus unerwartet.”, kommentierte Isaure dann. Ihre Stimme klang weich und passte zu ihrer gelösten, entspannten Gesamtwirkung. “Unerwartet, aber durchaus gut.”
Ihr Blick glitt zum Gewächshaus, welches sie gerade so knapp zwischen den Bäumen sehen konnte. Das Gewächshaus, in welchem eine Pflanze stand, die eine Blüte getrieben hatte. Der hätte ein wenig Sex auch gut getan, kam ihr ein alberner Gedanke. Nur blöderweise hatte sie keinen Partner, und auch wenn sie wirklich nichts gegen gleichgeschlechtliche Paare hatte – da kamen einfach keine eigenen Kinder bei raus, und das wäre nötig gewesen.
“Ich habe eine Pflanze mit einer Blüte unten.”
Tony würde sofort verstehen, was das bedeutete. Das war ein Teil, den sie nie hingekriegt hatten. Die Energiepflanzen hatten nicht geblüht, was aber so wichtig gewesen wäre, um sie nachhaltig nutzbar zu machen. Sicher, eine Blühte war noch nicht die Lösung, aber ein Schritt in die richtige Richtung.
März 28, 2026 um 4:36 p.m. Uhr #1292
KamelAdministratorVerhindern können. Ja, das passte zu Tony Stark. Dass er es sich wünschte, die Katastrophe verhindert zu haben, das war verständlich. Das wünschte sich wohl jeder irgendwo. Aber dass er sich dafür entschuldigte, als wäre er nicht einfach nur ein Mensch – ein genialer, sicher, aber dennoch ein Mensch – der sich diesem ausserirdischen und so mächtigen Wesen gestellt hatte… das passte schrecklich gut zu ihm. Ohne Zweifel war er zu Grossem fähig, aber hier verlor er seinen Bezug zur Realität genauso wie sie. Für einen Moment spürte sie ein tiefes Mitgefühl mit ihm. Sie wusste, wie das war, wenn man sich verlor.
Wieder kam er näher, stellte eine Brücke aus Fleisch und Blut zu ihr her. Isaure fühlte sein Leben. Nicht auf Thorne hereinfallen sollte sie, das hörte er sie wohl, und auch seiner Aussage, das die Situation der Unsicherheit und Angst für ihn bester Nährboden war. Zweifellos war das wahr. Gerade aber fühlte sie keine Unsicherheit, sondern einfach sein pulsierendes Leben und anstatt sich auf die Welt und ihre Erholung zu konzentrieren, gestattete sie es sich, einfach nur das Leben in ihm wahrzunehmen. Es war unendlich selten geworden, dass sie jemanden tatsächlich anfasste und zum ersten Mal seit dem Blip hatte sie die Gelegenheit, etwas anderes in ihren Fokus gelangen zu lassen als die Extreme des Leides oder der aufatmenden Erde. Es würde ein kurzer Moment bleiben, das wusste sie, aber in diesem Moment war er einfach da. Sachte legte sie ihre schmale, von der Gartenarbeit raue Hand über seine, schaute kurz hinunter, dann wieder zu seinem Gesicht hoch. Sie kannte diesen Ausdruck des Kampfes. Nicht von ihm, aber von anderen. Von viel zu vielen, dachte Isaure, und für einen Moment wünschte sie sich, sie könnte etwas daran ändern. Wirklich daran ändern, aber sie konnte sich ja kaum selbst retten.
“Es ist eine Frage der Zeit, bis ich meinen Kampf verliere.”, erwiderte sie dann und meinte es mehr als nur ernst. Er hatte es vorhin selbst gesagt: Niemand konnte ihr versichern, dass sie Versorgung bekam. Vor allem aber würde das Problem sich nicht lösen und je länger es war, wie es war, je gesünder die Welt und je tiefer das Leid wurde… sie wollte es sich gar nicht vorstellen. Sie musste auch nicht, konzentrierte sich einfach das Leben unter ihrer Hand. Ihr Blick war konzentriert, intensiv, präsent, ganz so, als gäbe es keine Krankheit, keine Unsicherheit, gar nichts, was sie eben noch so deutlich gezeigt hatte.
“Aber bis dahin kann ich ja vielleicht noch helfen.”
Irgendwie. Mit ihrer Forschung oder einfach nur der Möglichkeit, zu heilen. Das war allerdings gefährlich. Nein, besser mit Forschung, dachte sie dann. Das nützte auf lange Frist betrachtet sowieso mehr. Viel mehr. Ausser, sie scheiterte, aber dann, nun, dann war das eben so.
März 25, 2026 um 9:06 a.m. Uhr #1288
KamelAdministratorSchweigend hörte Marrow zu, wie Natasha ihren Gedanken folgte. Ja, wahrscheinlich wäre es schön gewesen, wäre die Situation nicht immer so ernst. Aber so war sie nun einmal. Nat kannte ihre Lebensrealität besser als manch anderer und wusste, dass ihr Leben eben war, wie es war. Ihr Leben, und sie selbst auch. Dass es in er Facility noch immer schwierig war, konnte Marrow sich lebhaft vorstellen. Solche Probleme lösten sich nicht von heute auf morgen. Erst mussten sie hochkochen, sich über die Herdplatte ergiessen, damit alle sich erschrecken konnten – und erst dann schaltete man den Herd eben mal ab und putzte. Einfach eines nach dem anderen, und so nickte Marrow langsam. Offenbar war ihre Überlegung gar nicht so falsch, wenn der Raum zu klein gewesen war. Kurz überlegte sich die Morlock, etwas dazu zu sagen, aber sie entschied sich dagegen. Schon bei ihrem letzten Treffen hatte Nat nicht viel dazu sagen wollen oder können, und sie würde sie nicht drängen. Ausserdem war das andere Thema irgendwie – dringender und die Frage, wer in Schwierigkeiten war, hätte nicht treffender sein können.
“Ihr.”, antwortete Marrow. “Es hat sich eine Gruppe Mutanten zusammengefunden, welche vor hat, das Kopfgeld einzustreichen. Azazel. Sabretooth gehört auch zu ihnen. Ich weiss, dass er versucht, White Queen ins Boot zu holen.”
Mit Sabretooth wurden die Avengers vielleicht fertig, ja, aber White Queen war eine Telepathin, welche auf hohem Level spielte – und mit ihrem Diamantkörper war sie auch wirklich schwer angreifbar. Ausser, man erwischte sie von hinten, aber für Marrow genügte schon der Name Sabretooth, dass sie die Flucht ergreifen wollte. Es gab niemanden, vor dem sie mehr Angst hatte als dieser Mutant. Zehnmal lieber würde sie sich mit Iron Man anlegen oder sogar mit Thor, als Sabretooth gegenüberzustehen. Und Azazel… Nein, die waren alle nicht ihre Liga. Sie waren weit, weit drüber, aber egal, wie die Situation war, Marrow war nicht bereit, Nat ins Messer laufen zu lassen, bloss, weil sie selbst sich am Liebsten in der engsten und tiefsten Ritze versteckt hätte.
“Ich befürchte, dass sie eine grosse Gefahr für euch sind. In unserer Welt legt sich niemand mit ihnen an, wenn er nicht gerade … Magneto heisst oder so.”
Sie verzog ein wenig das Gesicht und liess den Blick weiter gleiten, weg von Nat zu den Regentropfen auf dem Wagendach.
März 20, 2026 um 6:45 p.m. Uhr #1284
KamelAdministratorIsaure verzichtete auf eine Antwort. Sie wäre lieber von Stark Industries abhängig geblieben, aber diese Wahl hatte sie nicht gehabt – und wahrscheinlich hätte sie sich noch so manchen Bedingungen gebeugt, wenn sie Hilfe für ihr Problem mit der Schizophrenie gefunden hätte. Und so schwieg sie dazu, wartend, dass Tony sich wieder fing, denn der Effekt des Namens war doch beeindruckend. Beeindruckend und auch so wie erwartet. Nein, nicht ganz. Tony blieb ziemlich ruhig. Genauso gut hätte er explodieren können.
Langsam nickte sie, als er erklärte, er würde sich umhören. Ja, das war sicher klug, das sah sie auch so. Und anders als sie hatte er da sicher sinnvolle Möglichkeiten dazu. Wobei sie das natürlich auch konnte, dachte sie, und machte sich eine gedankliche Notiz, das nachher noch anzusprechen. Aber eines nach dem anderen, denn natürlich war ein anderes Thema gerade im Vordergrund.
“Seiner Ideologie? Nein.”, antwortete Isaure und brauchte dafür nicht nachzudenken. Viel schwieriger war die andere Frage. Schwieriger und gleichzeitig nicht schwierig. Sie und die Antworten darauf waren das Problem, welches sie in den Wahnsinn trieb, nicht nur im übertragenen Sinne. “Und was Thanos betrifft…” Ihr war anzusehen, dass das mehr als schwierig war, mehr als nur ein ‘och ja, nicht so schlimm’. Viel mehr.
“Ich wünschte, all die Verluste wären nicht passiert, Tony. Nicht deine, nicht meine, nicht die von irgendwem. Ich habe meine Mutter verloren. Der Gedanke, meine Zwillingsschwester könnte fort sein… Es ist schrecklich, was geschehen ist. Also – nein.” Sie kam einen Schritt näher und der Blick ihrer Augen hatte eine ganz neue Intensität, als sie sich für einen Moment in das Gefühl hineingab, welches so stark war.
“Aber dann gibt es noch ein ganz anderes Gefühl. Es gibt mein Gefühl für diese Welt. Die Erde hat aufgeatmet, ganz so, als würde eine schwere Krankheit von ihr abfallen. Alles erholt sich in rasender Schnelle. Das Leben erholt sich und es ist… es ist das Gefühl purer Erleichterung, welches mich durchströmt, wenn ich es nur einlasse, welches auf Trauer und Schmerz und Verzweiflung prallt.”
Sie schluckte, drängte die Empfindung diszipliniert zurück, weit nach hinten, wich auch wieder einen Schritt von Tony zurück. Ihre so sprechenden Augen zeigten für einen Moment Verzweiflung, die, welche meist folgte, wenn sie diese Grösse gefühlt hatte, diese Grösse, die im so grässlichen Widerspruch zu ihren eigenen Verlusten und ihrem eigenen Schmerz stand.
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